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Zweites Capitel. Wohin Walter ging.
Es war eine laue Mondnacht. Durch das zarte Frühlingslaub der Kaſtanien, unter welchen Walter ging, fielen die ſanften Silberſtrahlen, und Licht und Schatten wechſelten auf ſeinem Wege. Zu ſeiner Rechten das Thal lächelte friedlich. Mit dem tiefen, geheimnißvollen Zauber einer Aprilnacht iſt Nichts zu vergleichen. Leiſe Quellen rieſeln unaufhörlich. Der Wind ſäuſelt weich und traumhaft. Der Geruch des erſten Grüns erfüllt die Luft. Die Welt iſt ſtille. Sie ſchlummert in den Armen des Frühlings.
Zu ſeiner Linken erhoben ſich Hügel, mit tiefen Schluchten, nun ganz von Schatten ausgefüllt, mit ſchönen Wäldern, welche halberhellt im Lichte ſtanden. Auf der Höhe des Hügels war das Schloß, deſſen alte Thürme und Mauern und Zinnen bleich im Mondenglanz der Mitternacht ſchimmerten. Ja, es war Mitternacht. Dort aus dem Dörflein, welches am geſtreckten Abhang im Dunkel des Hintergrundes lag, ſchlug es zwölf. Jetzt auch vom Schloß herab hörte man die Schläge, und weit aus der Tiefe herauf einzelne dumpfe, ſchwer verhallende Klänge. Es mußten die Glocken der Eliſabetherkirche ſein.
Nun Alles ſtill. Nur das ſanfte, ſtete Rauſchen der Lahn aus dem Thale herauf, dort von den dunkeln Bäumen her, die ihren ruhigen Spiegel bedecken. Nur der Anſchlag eines Hundes hier in dem alten Jägerei⸗ gebäude, dort aus einem Gehöfte des Dörfleins. Zetzt


