„Leutnant,“ rief da auf einmal durch den gewaltigen Lärm eine Stimme, die ſich im Allgemeinen wenig hören ließ, und bei feſtlichen Anläſſen, wie dieſem, auch immer nur dann, wenn eine hinreichende Anzahl von Fäſſern geleert und von Gläſern zertrümmert worden war. Der Eigenthümer dieſer Stimme war ein Mann in den Vierzigern, mit glattgeſchorenem Kopfe, einem zufriedenen Geſichte und einer Brille, welche gewöhnlich an jedem Morgen zum Opticus wanderte, um von demſelben grad gebogen und mit neuen Gläſern verſehen zu werden. Denn in den Nächten pflegte dieſer Mann ſeinem Ver⸗ gnügen nachzugehen, welches darin beſtand, in den Bier⸗ häuſern zu ſitzen und mit dem Wirthe Streit zu be⸗ kommen, wenn dieſer einige Stunden nach Mitternacht müde ward und kein Bier mehr verabreichen wollte, wobei es dann regelmäßig zu Handgreiflichkeiten kam, in welchen die Brille zu Schaden gerieth. Der Mann hieß der Baron. Es iſt noch immer nicht ganz ausgemacht, ob er wirklich ein Baron war. Aber er hatte ein unab⸗ hängiges Vermögen, eine Rente von zwölfhundert des Jahres und war vor einigen zwanzig Jahren in einer Forſtakademie geweſen, woraus man folgerte, daß er von edlem Herkommen ſein müſſe. Er ließ ſich deswegen den Namen des Barons gefallen, und wußte zuletzt ſelbſt nicht mehr, ob er ein Baron ſei, oder nicht. Der Baron war aus dem nördlichen Deutſchland, aus Meklen⸗ burg; allein er liebte den Norden nicht, er zog den Süden vor, wegen des beſſeren Bieres. Da er aber, in An⸗ betracht ſeiner Güter und aus Familienrückſichten doch nicht ganz frei war, ſo machte er es wie Proſerpina,
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