Teil eines Werkes 
2. Buch (1863)
Entstehung
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Leben auf's Neue beginnen ſollte. Und Muſik hatten ſie auch; und der alte Brunnenmatz, für welchen die Ferien auch immer eine ſehr traurige Zeit waren, weil er die Studenten ſo lieb hatte, daß er ohne ſie nur halb lebte der machte auf ſeiner berühmten Fiedel Freu⸗ denſprünge, die Einem durch Mark und Bein gingen. Zwei allerliebſte ſchmucke Mädchen, das Hannchen und die Eliſe, von denen die Eine blond und die Andere brünett war, machten die Kellnerinnen, zapften den Herren das Bier, brachten ihnen die Fidibuſſe, um die Pfeifen anzuzünden, und ließen ſich in den Pauſen zwiſchen den ſchönen Geſängen, die ſie ſangen, von ihnen küſſen. Das Hannchen und die Eliſe waren eigentlich Nähterinnen in der ehr⸗ und tugendſamen Stadt Marburg; aber Frau Jena, die biedere Dame, wußte ſie an Tagen, wie dieſem, auf den Jägerpfuhl hinauszulocken und zu allerlei kleinen Verrichtungen und Handleiſtungen anzuhalten. Auch waren ſie meiſt jeden Sonntag da, wo die Dienſtmädchen im ZJägerpfuhl Tanz hatten und die Brüderſchaft der freien Rhenanen in den benachbarten Zimmern bei offenen Thüren ihre Gelage abhielten, welche regelmäßig durch kleine Prügeleien mit den eiferſüchtigen Dienſtknechten unterbrochen wurden.

Die Brüderſchaft war um dieſe Zeit ſchon recht luſtig geworden, wie geſagt. Sie hatten ihre Mützen ſchon durchbohrt, mehrere Gläſer zerſchlagen und zwei oder drei leere Fäſſer zum Fenſter hinaus geworfen.

Sie ſchrieen, ſie lärmten, ſie ſchlugen mit Händen und

Füßen auf die Tiſche und lobten die Freiheit, zu deren größerer Ehre dies Alles geſchah.

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