Teil eines Werkes 
2. Buch (1863)
Entstehung
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neuen Semeſters der luſtigſte Abſchnitt des Studenten⸗ lebens iſt, wegen des unverletzten Wechſels, dieſes Real⸗ bürgen einer langen Reihe froher Tage und der Mutter⸗ pfennige, auf welche eine zärtliche Studioſenſeele ganz beſonders hält.

Und wie hatte Frau Zena, dieſe biedere Dame und Buſenfreundin der Rothmützen, den Saal geſchmückt zur Ehre des Abends! Den halben Wald von Ellen⸗ hauſen hatte ſie bei nächtlicher Weile(aus Furcht vor dem Förſter) um ſein erſtes Aprilgrün gebracht, um der Decke ihres Saales einen duftigen Frühlingsſchmuck zu geben, und der alte Obriſt, dicht am Barfüßerthor, der bekanntlich ein paſſionirter Blumenfreund iſt, nachdem er in ſeinen jungen Jahren den Krieg mitgemacht und allerlei Abenteuer mit Männern und Frauen beſtanden, wie brachte der, zum Erſtaunen ſeines alten Reitknechtes, Flüche an's Tageslicht, welche er ſeit dem großen Kriege nicht mehr gebraucht, als er ein halbes Dutzend der ſchön⸗ ſten holländiſchen Tulpen in ſeinem Garten vermißte! Was würde der alte Obriſt aber erſt geſagt haben, wenn er ſie an dieſem Abend rund um ein Transparent hätte ſchimmern ſehen, welches auf feuerrothem Grunde in Silber die Worte trug:Die Freiheit iſt das einzige Gut! Es lebe die Brüderſchaft der freien Rhenanen!

Dieſe Brüderſchaft ſaß um zwei lange Tiſche, über welche von der Decke, aus den Laubgewinden herab, Trinkhörner und Fahnen und bunte Lampen und farbige Bänder hingen, und recht luſtig war ſie, und Einer küßte den Andern vor Freude, daß ſie ſich wieder hatten, und daß die Ferien zu Ende und daß das ſchöne, ſelige