Teil eines Werkes 
2. Buch (1863)
Entstehung
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blühende Gründe und ſchöne Hügelketten mit Wald und

Wieſe, die ſie begrenzen; rothe Felſen, um welche der gelbe Ginſter blüht, und einen umbuſchten, kleinen, rauſchenden Strom, welcher das liebliche Thal durch⸗ ſchlängelt. Dieſer Strom iſt die Lahn und dieſes Thal iſt das Lahnthal; und ein glücklicheres Leben, als man hier führt in den alten, winkligen Häuſern mit den un⸗ regelmäßigen Stuben und ſchiefen Wänden, giebt es nicht in der Welt, und ein luſtigeres auch nicht.

Zwar hat die Zahl der Muſenſöhne in den letzte⸗ ren Jahren um ein Beträchtliches abgenommen. Aber die Muſen werden daſelbſt noch geehrt, wie zur Zeit des trefflichen Erasmus; und die furcht⸗ nnd tadelloſen Jünger derſelben, wiewohl ihrer keine volle zweihundert mehr ſind, haben noch ihre Stacheldintenfüſſer, ihre großen Mappen, ihre Bänder, ihre Mützen, ihre Schlä⸗ ger und ihre Humpen, wie in der guten, alten Zeit; und ſie ſo dahinziehen zu ſehen durch die altmodigen Straßen, in hohen Kanonenſtiefeln und groben Flaus⸗ röcken, Arm in Arm, dampfend aus gewaltigen Pfeifen mit Quaſten und Troddeln, und gefolgt von nachtrot⸗ tenden Hunden, iſt ganz ein Bild des mittelalterlichen Studentenlebens.

Um die Zeit nun, wo dieſer Abſchnitt unſerer Ge⸗ ſchichte beginnt, zu Anfang des Frühlings im 1857ten Jahre, gab es daſelbſt eine auserleſen flotte und luſtige Geſellſchaft von etwa dreißig oder vierzig jungen Herren, welche ſich dieRhenanen nannten, rothe Mützen mit Silber trugen, Schöngeiſter waren und das Geſetz der abſoluten Freiheit proklamirt hatten. Sie lebten dieſer⸗