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hölzernen Juſtitia davor, welche eine Wage in der Hand und eine Freſe um den Hals hat, durch einen Glockenlaut vom Thurme herab, ein Hundegebell, einen kleinen Scandal zwiſchen tapferen Rückzugsherzen unter⸗ brochen wurde; oder wenn wir an der langen Mauer, unter den dicken, ſchönen Bäumen dahinzogen und jen⸗ ſeits den Fluß im Mondſchein glänzen ſahen, und unſer Herz mitten in ſeinem Glück und ſeiner Seligkeit auf einmal eine tiefe Sehnſucht empfand— o, wie wenig dachten wir damals daran, daß dies kleine Städtlein mit ſeinen krummen Straßen, ſeinem alterthümlichen Markte, ſeinem Berg, ſeinem Fluß und ſeinen dicken, ſchönen Bäumen noch der Schauplatz unſres Romans und die Scene von einigen ſeiner luſtigſten und traurigſten. Begebenheiten werden ſollte!—
Das heſſiſche Univerſitätsſtädtchen Marburg iſt das wunderlichſte Ding, was man unter Gottes Sonne ſehen kann. Es zieht ſich um einen mäßigen Hügel und ver⸗ liert ſich in demſelben. Es ſteigt bergauf, bergab. Es giebt Straßen darin, durch welche niemals ein Wagen gefahren iſt. Es giebt keine Straße darin, durch welche zwei Wagen neben einander fahren könnten. Einige von dieſen Straßen ſteigen ſchnurſtracks den Berg hinauf,
wie Alpenpäſſe; andere ſtürzen ebenſo ſchwindelnd den!
Berg hinunter, und iſt es namentlich eine große Fähr⸗
lichkeit, beſagte Straßen bei Glatteis zu wandeln. Wo
es denn nicht ſelten vorkommen ſoll, daß ein Mann,
der eben noch auf der Höhe ſtand, ſich plötzlich am Fuße derſelben wiederfindet. Gott dankend, daß der Kopf
Marktplatzes mit ſeinem grauen Rathhaus und der


