Erſtes Capitel. Der Hchauplatz wechſelt.
Mun aber müßt Ihr eine weite Wanderung mit uns machen. Von dem flachen Strande der Nordſee und den Weiden des Scheldeufers wandern wir mitten nach Deutſchland hinein, wo es am Grünſten und Traulich⸗ ſten iſt. Wir wandern durch ein blühendes Land, wo ein tapferer, ſtarker, hartbedrängter deutſcher Volksſtamm wohnt; an Dörfern vorbei, von blühenden Triften um⸗ geben, an Schlöſſern vorüber, in denen edle, freigeſinnte Geſchlechter ſitzen; wir wandern zu einem kleinen, wun⸗ derbar anheimelnden und lieblichen Städtlein, welches am Berge liegt, über dem Fluſſe, und Marburg heißt— Marburg an der Lahn.
O, wie wenig dachten wir daran, als wir vor Jahren durch die krummen Straßen dieſes Städtleins ſchwankten— um Mitternacht, oder ſpäter, wenn der Mond über den ſchnörkelreichen Giebeln ſtand und das gezackte Balkenwerk der Erker ſeinen fantaſtiſchen, dunkel⸗ blauen Schatten über unſern engen, holprigen Weg warf; oder wenn das Schweigen des alterthümlichen
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