Teil eines Werkes 
2. Theil (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Aber du wirſt ein freies, ſtolzes, einiges Vater⸗ land haben, du geliebtes Weſen unter meinem Her⸗ zen! Ein Vaterland, das deinem verbannten Vater ein Aſyl gewährt, das deine Mutter ſich freiwillig, das ſie ſich aus Liebe erwählt! Und welche Pflichten warten ihrer nun, dich zum Bürger oder zur Bür⸗ gerin eines Freiſtaats zu erziehen! Nur in einem de⸗ mokratiſchen Freiſtaat kann ſich die reine Natur des Menſchen vollſtändig entwickeln. Wie vielfältig wer⸗ den meine angeerbten und anerzogenen Vorurtheile mich noch in deiner Erziehung ſtören! Wie werd' ich erſt mich noch ſelbſt zu erziehen haben, ehe ich mich zu deiner Erziehung ganz befähigt fühlen kann!

Aber wo bleibt doch Hubert? Welche Freuden warten deiner, geliebter Mann! Und wie ſich das Band unſerer Herzen immer feſter und feſter ziehen wird! Wie unſere Seelen in dem gemeinſamen Be⸗ ſtreben ſich immer harmoniſcher ſtimmen werden! Ich könnte den einen Gegenſatz, der ſich zwiſchen uns findet, fürchten ſie dachte an ihre verſchiedene Anſchauung des Verhältniſſes des Menſchen zu Gott wenn du nicht Hubert wäreſt, wenn ich nicht Alles, was edel, großmüthig, freiſinnig wäre, in dir liebte. Verſchiedenheit der religiöſen Ueberzeugungen, ſo hab' ich meinen theuern Vater ſagen hören, kommt

Die Auswanderer. H. 22