Schmerz und Zorn hatten ſich, während ſie ſprach, im Geſichte ihres Freundes gemalt.„Wäre es mög⸗ lich!“ rief er,„auch Sie angeſteckt von dem vergif⸗ tenden Fieber der Zeit! Auch Ihr Herz, Klotilde, das mir ſtets der Sitz der edelſten, beſcheidenſten, deutſchen Weiblichkeit war, auch Ihr klarer, gebildeter Geiſt durchdrungen von dem unſeligen Emancipations⸗
wahnſinn unſerer Tage?— Was wollen Sie in Wisconſin, von deſſen Urwäldern und ihrer ewigen
Freiheit jener Phantaſt träumt? Wenn er in ſeinen Univerſitätsjahren, ſtatt unreife Staatsreformpläne aus⸗ zubrüten, ſich der Medicin befleißigt, oder ſonſt etwas Tüchtiges gelernt hätte, ſo würde es ihm auch hier an Brot nicht fehlen. Aber laſſen Sie ihn ziehen. Er mag und wird ſeine Bahn ſich brechen. Allein Sie, Klotilde? Wollen Sie ihm die Urwälder aus⸗ reuten helfen? Wollen Sie etwa mit Ihren Schätzen dort eine Colonie im Lande der Freiheit für politiſche Flüchtlinge ſtiften, die mit ihren blutigen Theorien die Felder düngen und auf das Fundament ihrer Prima⸗ nerweisheit einen neuen Staat gründen ſollen? Wiſſen Sie nicht, daß die Würde des Weibes, daß die Sitte einzig und allein in der Civiliſation wurzelt? Und wollen Sie dieſe etwa durch Vorleſungen in den Prairien verbreiten?“


