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§. 52. Durch echt deutſchen Sinn und Charakter ausgezeichnet ſind: Julius Moſen und Emanuel Geibel, die unter den Dichtern unſerer Zeit mit die erſten Stellen einnehmen. J. Moſen*) iſt am 8. Juli 1803 zu Marienei im ſächſiſchen Voigtlande geboren, bezog 1822 die Univerſität Jena, zwei Jahre ſpäter Leipzig, um Jurisprudenz zu ſtudiren. Während dieſer Zeit ſtarb ſein Vater, und die hinterbliebene Familie lebte nun in der drückendſten Armuth. Moſen unterbrach ſeine Studien, pilgerte als Muſenſohn nach Rom, kehrte 1826 wieder zurück, ſtudirte dann noch ein Jahr lang in Leipzig, ward nach ehrenvoll beſtandenem Examen Gerichtsactnar zu Kohren, ſpäter Sachwalter und Advokat zu Dresden und lebt jetzt ſeit 1845 als Dramaturg in Oldenburg.— M. hat ſich durch ſeine Gedichte, die bald wie eine reine, friſche Quelle dahin rieſeln, bald aber wie ein raſcher Bergſtrom aus dunklen, ſchattigen Waldgebirgen kühn hervorbrechen und manches Goldkörnlein in ihrem Grunde bergen(ogl. Nr. 32. 99. 252. 277. 278. 280), als urkräftiger, zarter und volksthümlicher Lyriker be⸗ kundet. Seine Novellen: Georg Venlot, Helena Valisneria, die blaue Blume und das Heimweh, aus denen die Stimme des Herzens recht innig ertönt, zeigen einen ſtarken, romantiſchen Zug nach dem Wunderbaren und Geheimnißvollen. Epiſche Gedichte ſind: das Lied vom Ritter Wahn und Ahasver. Als Drama⸗ tiker erwarb ſich M. Ruf durch: Heinrich der Finkler, Cola Rienzi, Kaiſer Otto II., Bernhard von Weimar, Katte und der Sohn des Fürſten, Don Jo⸗ hann von Oeſtreich ꝛc.— E. Geibel**), der dritte Sohn eines reformirten Geiſtlichen, iſt am 18. Oktober 1815 in Lübeck geboren, beſuchte als Knabe das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, ward 1835 Studioſus cheol. u. philol. zu Bonn, gab aber bald die Theologie auf und widmete ſich vornehmlich der ſchönen Lite⸗ ratur und dem Studium der Alten. Ein Jahr darauf ging er nach Berlin, ward mit Chamiſſo und andern bedeutenden Männern bekannt, die ihn geiſtig anregten. 1838 reiſte er nach Athen als Erzieher in dem Hauſe des ruſſiſchen Geſandten Katakazi daſelbſt. Mit großem Fleiße ſetzte G. ſeine poetiſchen und philologiſchen Studien hier fort. Außer den klaſſiſchen Dichtern Griechenlands wirkten Goethe und Flaten höchſt wohlthuend und erfolgreich auf ihn ein. Nach⸗ dem er den Süden Europas durch verſchiedene Reiſen von Athen aus kennen ge⸗ lernt hatte, kehrte er 1840 nach Deutſchland zurück und gab in Berlin ſeine Gedichte heraus, von denen bereits die 23. Auflage erſchienen iſt. Nun beſchäf⸗ tigte ſich unſer Dichter viel mit ſpaniſcher und italieniſcher Sprache, überſetzte in Eſcheburg bei Kaſſel— wo er bei einem Freunde ſeines Vaters, dem Baron von der Malsburg, einem Bruder des Ueberſetzers von Calderon und Vega de Lope, ein volles Jahr als geehrter Gaſt zubrachte— aus dem Spaniſchen, ſchrieb die„Zeitſtimmen“ und eine Tragödie„König Roderich“. Von Eſcheberg begab ſich G. wieder nach Lübeck, wo er einen Band„Spaniſcher Volkslieder und Romanzen“ druckfertig machte. Im Anfang des Jahres 1843 ſetzte ihm der König von Preußen einen Jahrgehalt aus und G. ging vergnügt nach St. Gvar zu Freiligrath, wo er einen Sommer blieb. 1846 erſchienen das kleine Epos:„König Sigurds Brautfahrt“(Nr. 291), gegen Ende
* Dichterhalle 2r Bd., S. 191.—**) Dichterhalle 1r Bd., S. 187.
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