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Spandau gebrachto von wo er im Novbr. 1850 nach England entfloh.— Die von deutſchem Sinn und deutſcher Ehrenhaftigkeit tief durchdrungenen Gedichte (ogl. Nr. 74, 86, 87, 95, 97, 246, 248), wie das kleine Epos: Otto der Schütz,(Geſänge daraus S. 244), das zum Beſten gehört, was lange Zeit im Epos geleiſtet wurde, zeigen K.'s hohe dichteriſche Begabung, und laſſen um ſo mehr bedanern, daß der friſche liebenswürdige Dichter in dem radikalſten Demo⸗ kraten untergegangen iſt.— Bonn iſt auch der Heimatsort für Karl Joſeph Simrock,— daſelbſt geb. im Jahr 1802. Seiner theilweiſe ausgezeichneten Ueberſetzungen des Nibelungenliedes, der Gudrun ꝛc. haben wir ſchon betreffen⸗ den Orts Erwähnung gethan, hier bleibt uns nur zu bemerken übrig, daß er ſich,„von Natur nicht ohne eigenes poetiſches Talent“, auch als Dichter verſucht hat und zwar vorzugsweiſe auf epiſchem Gebiete, wo er außer manchen gelun⸗ genen Balladen in ſeinem„Wieland der Schmied“ eine Nachbildung alt⸗ nordiſchen Sagenſtoffs geliefert hat.— Gegenwärtig in Neuwied weilt Auguſt Heinrich Hoffmann*), geb. am 2. April 1798 in dem hannöveriſchen Dorfe Fallersleben(weßhalb er ſich auch als Dichter„von Fallersleben“ nannte). H. ſtudirte in Göttingen und Bonn, anfangs alte Kunſt und alte Sprachen, dann aber mit größtem Eifer deutſche Literatur- und Culturgeſchichte; ward 1823 Cu⸗ ſtos an der königlichen und Univerſitäts⸗Bibliothek zu Breslan, 1830 außeror⸗ dentlicher und fünf Jahre ſpäter ordentlicher Profeſſor der deutſchen Sprache und Literatur daſelbſt. Wegen ſeiner„unpolitiſchen Lieder“ 1843 entlaſſen, pilgerte er längere Zeit in Deutſchland umher und wohnte dann einige Jahre in Bingerbrück a. d. Nahe. Hochberühmt als Forſcher auf dem Gebiete unſerer alten Literatur, iſt er auch als Dichter ſehr bedentend, und weiß den Volkston ſo glücklich anzuſchlagen, daß ein namhafter Kritiker— Vilmar— behauptet, H. ſei der Einzige unter den lebenden Dichtern, welcher das alte Volkslied und zwar auf die vortrefflichſte Weiſe zu reproduciren verſtehe. Wer freilich eitel Glanz und Flitter liebt, der wird keinen Gefallen an ſeinen einfachen Liedern finden, die als beſcheidene Veilchen auf der Au und nicht als ſtolze Prachtblu⸗ men vor den Fenſtern blühen wollen; wer aber für die Fülle, Kraft und In⸗„ nigkeit einer deutſchen Volksweiſe Sinn und Verſtändniß hat, der wird H. für ſeine herzigen Frühlings⸗ und Wander⸗(Nr. 10. 11. 19.), für ſeine fröhlichen Trink und Landeknechtlieder(Nr. 271), für ſeine einfach⸗anſprechender Kinder⸗ lieder reichen Dank wiſſen.— Aehnlichkeit in ihrer Dichtung mit Hoffmann ha⸗ ben Robert Reinick und Auguſt Kopiſch, wenn auch nur in ſo fern, als auch bei ihnen heitere Fröhlichkeit und friſcher Humor vorherrſcht. R. Rei⸗ nick**) wurde am 22. Febr. 1805 zu Danzig geboren, beſuchte das Gymna⸗ ſium ſeiner Vaterſtadt, ging aber nicht auf eine Univerſität, ſondern 1825 nach Berlin, um ſich in dem Atelier des Profeſſors Begas als Maler auszubilden. Von Berlin aus, wo er in naher Verbindung mit Kugler, Eichendorff und Cha⸗ miſſo gelebt, ging er nach Düſſeldorf, beſuchte die Schadow'ſche Malerſchule und veranſtaltete daſelbſt die Herausgabe ſeiner„Lieder eines Malers mit Randzeichnungen ſeiner Freunde“. 1838 reiſte R. nach Italien, lebte
*) Dichterhalle 1r Bd., S. 447.—**) Dichterhalle 2r Bd., S. 386.


