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Daß du ſeine Züge klar,
Seine Fülle tief erſchaueſt,
Und es dann getren und wahr
Wie in reinen Marmor haueſt.(Ad. Stöber.)
§. 51. Wenden wir uns nun zum Rhein und Norddeutſchland, ſo finden wir da eine gute Zahl namhafter Sänger und anch einige Sängerinnen, wovon wir den letztern den Vortritt laſſen wollen. Den„Fürſt der Ströme“ ver⸗ herrlicht durch ihre poetiſchen Rheinſagen Adelheid von Stolterfoth(aus Geiſenheim, vermählte von Zwierlein).„Ihr Rheiniſcher Sagenkreis, Rheiniſche Lieder und Sagen und Mehreres bezeugen, wenn auch wenig echt dichtende Phan⸗ taſie, doch ein gemüthlich⸗inniges Anſchauen der Natur und ihrer Schönheit, der Sage und ihrer Beziehung“. Annette von Droſte⸗Hülshof, geb. 1798 auf dem Gute Hülshof bei Münſter, lebte in letzterer Stadt und ſtarb 1848 zu Meersburg am Bodenſee,— iſt originell in ihrer Auffaſſung, mitunter ſelbſt ge⸗ nial in ihrer Anſchauung, männlich-kräftig in ihrer Darſtellung, und hat Ge⸗ dichte geſchaffen, die durch ihren inneren Gehalt hohe Bedeutſamkeit erlangt ha⸗ ben. Beſonders gelungen ſind ihre Haideſchilderungen, wie viele ihrer Balladen. Vortreffliche Naturbilder ſind: die Lerche— der Weiher(Nr. 135) c.— Wir reihen an die beiden Genannten Luiſe von Plönnies*) an, geb. am 7. Nov. 1803 zu Hanau, wohnte bis 1847 in Darmſtadt und lebt nun in Jugenheim an der Bergſtraße. Neben ihren Gedichten, deren viele durch Form⸗ und Reim⸗ ſchönheit ſowohl, als durch Wahrheit und tiefes Gefühl als muſikaliſche und me⸗ tallreiche Klänge gefallen müſſen(Nr. 167), hat ſie ſich auch als vortreffliche Ueberſetzerin Ruhm erworben:„Brittania“,„Ein fremder Strauß“ ꝛc.— Von Weſtphalens Dichtern ſind außer der Hülshof noch zu nennen: Ferdinand Freiligrath**), geb. am 17. Juni 1810 zu Detmold, beſuchte bis in ſein 15. Jahr das Gymnaſium daſelbſt und erlernte bis zum Jahre 1831 in Soeſt die Kaufmannſchaft, weil er Hoffnung hatte, einen reichen Oheim in Edinburg zu beerben. Von Soeſt kam er in ein Wechſelgeſchäft nach Amſterdam, und von da nach Barmen. Als er ſah, daß ſeine Gedichte Beifall erhielten, gab er ſeine Stelle als Handlungsdiener auf, ging auf Reiſen, brachte eine Zeitlang in Darm⸗ ſtadt zu, ward vom Könige von Preußen mit einem Jahrgehalt von 300 Thalern bedacht und ſuchte ſich dann in St. Goar ein Plätzchen zur Beförderung ſeiner Muſen. Hier ſchrieb er Gedichte gegen den thronſtürmenden, feurigen Her⸗ wegh, dem gegenüber er in ſeinem Gedichte:„Aus Spanien“ die Worte aus⸗ ſpricht:„Der Dichter ſteht auf einer höhern Warte Als auf den Zinnen der Partei“.
Schade, daß er ihnen durch die Herausgabe ſeines„Glaubensbekenntniſſes“, gleich nach ſeinem Erſcheinen 1844 ſeiner politiſchen Tendenz wegen verboten, ſobald untren wurde. Er verzichtete nun auf die bisherige Penſion und hielt es zeitig genug für gerathen, dem preußiſchen Staate Lebewohl zu ſagen. Nach⸗ dem ſich F. einige Monate in Brüſſel aufgehalten, ging er nach der Schweiz und London, wohin er auch 1851 politiſcher Unterſuchung wegen wieder flüchtete.
*) Dichterhalle 2r Bd. S. 333.—**) Dichterhalle 1r Bd., S. 147.


