Druckschrift 
Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

434

Bis das Lied des Himmels, Liebe iſt der Seele, Darum iſt der Seele

Bis ſich niederſenkt Was dem Alpenkind Einzge Ruhefriſt, Liebe und die Sehnſucht Der verlornen Berge Wenn ſie ruht, wo einzig Nach der Heimat lenkt. Ferne Lieder ſind. Ihre Heimat iſt.

Auch köunte hier der einige Zeit als Epiker berühmt geweſene Erzbiſchof Joh. Ladislav Pyrker von Felſö⸗Eör(geb. 1772 zu Langh in Ungarn, 1847 als Erzbiſchof zu Erlau) erwähnt werden, der einer etwas früheren Zeit ange⸗ hört. Er hat den Ruhm überlebt, welchen ihm ſein Rudolf von Habsburg ꝛc. gebracht.

§. 50. In Würtemberg ſingt als religiöſer Dichter Albert Knapp*), geb. am 25. Juli 1798 zu Tübingen, wo er von 1816 20 Theologie ſtudirte, war von 1820 25 Vikar in Feuerbach und Gaisberg nahe bei Stuttgart, 1825 Diakonus in Sulz am Neckar, 1831 Archidiakonus in Kirchheim, jetzt ſeit 1836 Stadtpfarrer zu Stuttgart. K. ſchlägt in ſeinen Poeſieen vorzugsweiſe den Ton entſchieden chriſtlicher Frömmigkeit an:

Vor deinem Throne liegt mein Saitenſpiel,

Du biſts, o Herr, der ihm die Töne leihet:

So ſei dein Ruhm auch meines Liedes Ziel,

Und deiner Dreue jeder Laut geweihet.(Knapp.) Durchdrungen von reiner religiöſer Begeiſtrung, chriſtlicher Liebe und Glaubens⸗ tiefe hat er manches tief empfundene und erhebende Lied gedichtet(Nr. 312), zum Theil in dem von ihm bearbeiteten und herausgegebenenevangeliſchen Liederſchatz abgedruckt. Politiſcher Parteidichter iſt Georg Herwegh**), geb. am 31. Mai 1817 zu Stuttgart, wollte anfangs Theologie ſtudiren, wurde 1838 Militär, mußte aber wegen Streitigkeiten flüchten und lebte dann in der Schweiz und in Paris. 1848 nahm er am badiſchen Aufſtand Theil, nicht um die Wahrheit ſeiner politiſchen Lieder und ſeines ſtolzen Wortes, im heißen Pul⸗ verdampf zu ſtehen und nicht zu wanken, chatſächlich zu bekräftigen, ſondern um bei der beſten Gelegenheit feig zu fliehen. Jetzt iſt er wieder in der Schweiz. Faſt plötzliche Berühmtheit erwarben ihm ſeineGedichte eines Lebendi⸗ gen, aus denen demſtillen Volke ſein zürnend freiheitheiſchend Lied entge⸗ gentönte unter der Loſung:

Ich hab gewählt ich habe mich entſchieden,

Und meinen Lorbeer flechte die Partei! (d. h. die radikale Partei). Neben vielem Schönen, das uns als echtes, ſelbſt herzinniges Dichterwort entgegenklingt(Nr. 168), enthalten ſie viel Uebertriebe⸗ nes, Mattes, Unwahres, vielphraſengewappnete Lieder. Alexander Graf von Würtemberg(geb. 1801 zu Kopenhagen, als Oberſt zu Eßlin⸗ gen im Jahr 1844), dichtete volltönige,ſporrenklirrende, von tiefen Herzenstö⸗ nen durchzogene und von ritterlich-freimüthiger Geſinnung getragene Lieder.

Baierns bedeutendſter Dichter iſt Oscar Frhrr. von Redwitz***),

geb. am 28. Juni 1823 in dem mittelfränkiſchen Städtchen Lichtenan, ſtudirte in München Philoſophie und Jurisprudenz, war von 1846 an als Rechtsprakti⸗

*) Dichterh. 2r Bd., S. 79.**) Dichterh. 1r Bb., S. 433**) Dichterh. 2r Bb., S. 367.