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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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Polenlieder ſind mitunter recht gut gelungen, derPolenflüchtling(Nr. 25) be⸗ ſonders iſt tiefergreifend. Tiefgefühlt iſt derPoſtillion(Nr. 154).

Das epiſch⸗dramatiſche GedichtFauſt von Lenau kann ſich nicht mit dem großartigen, unübertrefflichen Kunſtwerk Goethe's in Vergleich einlaſſen; denn dabei würde es in ſtarken Schatten treten. Beſſer iſt ſeinSavona⸗ rola. Die lyriſchen Partien ſind jedoch in dieſem wie in jenem Gedichte die gelungenſten. DieAlbigenſer ſind eine mehr oder minder glückliche Va⸗ riation des Savonarola; Manuſeript bliebDon Juan Getzt herausgegeben von Grün).

Anaſtaſius Grün*), oder mit ſeinem wahren Namen: Anton Alex. Maria Graf von Auersperg, iſt geb. am 11. April 1806 zu Laibach. Von ſeinem früh verſtorbenen Vater erbte er Queckfeld und die Grafſchaft Thurn und Hart im öſtreichiſchen Berglande. Er hielt ſich nun meiſtens auf ſeinem väterlichen Stammſchloſſe auf, reiſte dann 1837 nach Paris, war Mitglied des Frankfurter Vorparlaments und lebt jetzt zurückgezogen in ſeiner ſtillen Heimat. Grün iſt in der friſchen, geſunden Bergesluft aufgewachſen, in einer wildromantiſchen Natur, wo Adler horſten und Bergſtröme ſchäumend in die Tiefe ſtürzen. Dieſe Umge⸗ bung war ſicherlich von entſchiedenem Einfluß auf unſern Dichter, der ſich wie ein kühner Aar zum Lichte aufſchwingt; mit tiefer Innigkeit ſchaut er der Natur in ihr ewig klares Auge und zeichnet uns dann die ſchönſten Naturbilder: Banmpredigt(Nr. 117), verſchiedene Trauer ꝛc. Mit einer tiefen, poeti⸗ ſchen Auffaſſung des Stoffes vereinigt G. eine reiche Fülle und Kraft der Ge⸗ danken, einen Farbenduft und eine Mannichfaltigkeit von herrlichen, oft ſehr überraſchenden, ja manchmal gehäuften Bildern.

Von G.s größeren Dichtungen nennen wir zunächſt den Romanzenkranz: der letzte Ritter**); dann dieSpaziergänge eines Wiener Poe⸗ ten, in denen er den Ton des politiſchen Liedes anſchlägt, geſchmückt mit duf⸗ tenden Blumen und leichten ſpielenden Ausdrücken, zwiſchen welche er mit glühender, feierlich ernſter und kräftiger Begeiſtrung eingreift und ſeinen Dichterzorn über die Mängel der Zeit in vollen Schalen ausgießt, dabei aber die lebhafteſte Hoff⸗ nung für eine beſſere freiere Zukunft hegt. Ein Beurtheiler nennt G. in Bezug darauf den Jeremias unſerer Tage, der auf den Trümmern einer blut⸗ und thränenreichen Vergangenheit ihr Weh in ſcharfen Bildern male, denſelben aber auch ein hoffnungshelles Gemälde kommender Zeiten gegenüberſtelle. Im Schutt verläßt G. den heimatlichen Boden und ſucht unter den Trümmern einer alten verfallenen Welt die Keime einer neuen, welche er in Amerika zu finden wähnt. Eine liebliche Dichtung iſt:Pfaff vom Kahlenberg.

Joſeph Chriſtian Frhr. von Zedlitz***), geb. am 28. Febr. 1790 zu Johannesberg in öſtr. Schleſien, trat 1806 in Kriegsdienſte gegen Napoleon, zog ſich 1811 auf ſeine Güter zurück, erhielt 1837 eine Anſtellung in der Staats⸗ kanzlei, und lebt nun als Kammerherr meiſt zurückgezogen auf einer kleinen Be⸗

*) Dichterhalle 2r Bd., S. 339. **) Daraus: die Martinswand(Nr. 269) und die Abfahrt nach Insbruck Mr. 270). **) Dichterhalle 3r Bd., S. 404.