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Denken, kernig im Schreiben), den vielſeitig gebildeten Theodor Mundt(geb. 1807 zu Potsdam, lebt als Docent in Berlin), den mehr milden und ſinnigen Magdeburger Ferd. Guſtav Kühne(geb. 1806, lebt in Leipzig), und den vielfach bekannten Wolfg. Menzel(geb. 1798 zu Waldenburg in Schleſien, lebt als Privatgelehrter in Stuttgart), der aus einem Mitvertreter ſpäter der heftigſte Gegner wurde. §. 49. Durch die eben geſchilderten Beſtrebungen war die Poeſie auf das Gebiet der religiöſen und politiſchen Zeitverhältniſſe hinüber verſetzt worden; ſie iſt nun fortan ihr treuſter Spiegel. Der Zeitgeiſt beherrſcht mehr oder weniger unſere jüngſten Dichter; viele derſelben gehen in ſeinen Flutungen unter, zer⸗ ſchellt an den„Zinnen der Partei“; andere dagegen hat ihr Genius höher ge⸗ tragen, daß ihr Geſang„erhabener ſchwebet als dieſer Tage Lieb und Groll“, daß ſie in ihrem Lied „die heilgen Schätze hüten Die fromm die Väter aufgehäuft, Des Herzens kenſche Wunderblüten, Den Glauben, der von Frieden träuft“.(Geibel.) Von Oſten her, aus Oeſtreich, tönen reine, volle Klänge herüber von Nikolaus Lenau*)— eigentlich Nikolaus Niembſch Edler von Streh⸗ lenau,— geb am 13. Auguſt 1802 in dem ungariſchen Dorfe Cſatad, machte in Wien ſeine Studien, anfangs als Philoſoph, dann drei Jahre als Juriſt und endlich noch drei Jahre lang als Mediziner. 1832 reiſte er nach Nord⸗Amerika, kehrte aber bald unbefriedrigt wieder zurück und hielt ſich dann meiſtens in Wien auf. Im Jahre 1844 begab er ſich nach Stuttgart, wurde daſelbſt geiſteskrank und blieb es auch bis zu ſeinem Tode am 22. Auguſt 1850. Unſtreitig iſt Lenau einer der tüchtigſten Lyriker der Gegenwart, der mit tiefem Gefühl in weichen, zarten Tönen das Elegiſche beſingt und mit Kraft und Wahrheit die friſchen, belebenden Farben ſeiner Naturanſchauung und des ungariſchen Volkslebens reich und großartig in meiſterhaften Zügen aufträgt; doch wollen Gedanken und Bild manchmal nicht recht bei ihm zuſammenfallen. Bald ſingt er gar zart und lieb⸗ lich, wie im Menz“(Nr. 10),„den Frühlingsblicken“(Nr. 18) und in der „Liebesfeier“(Nr. 13), bald greift er ernſt in die vom Schmerz zerriſſenen Sai⸗ ten ſeines Herzens und klagt ſein Seelenleiden, beſonders in ſeinen Herbſtliedern (Nr. 18) u. a. Da ſcheint ihm denn alles trüb und dunkel, ſo daß er fragen kann:„Trägt Natur auf allen Wegen Einen großen, ewgen Schmerz, Den ſie mir als Mutterſegen Heimlich ſtrömet in das Herz?“ Der Schmerz und die Empfindſamkeit Lenau's ſind aber nicht etwa äußerlich herbeigezogen und gemacht, ſondern ſie quillen aus ſeiner tiefen Dichterbruſt und
ſind unwiderlegliche traurige Wahrheit. Ein niebeſiegter Zweifel und ein ſtetes
Ringen nach Glaubensfreiheit geben Lenau genug Stoff zu poetiſchen Produklio⸗ nen, in denen er hier und da ſein religiöſes Glaubensbekenntniß ablegt. Seine
*) Dichterhalle 2r Bd., S. 119.


