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tenſchule zu München, die er 1810 mit dem königlichen Pageninſtitut vertauſchte. In ſeinem 18. Jahre ward er Lieutenant im Leibregimente Marimilians, wäre aber lieber dem Rufe der Univerſitätsglocke, als dem der Trommel gefolgt. 1815 mußte er gegen Napoleon ins Feld ziehen, kehrte jedoch ſchon im Herbſte desſelben Jahres in ſeine Heimat zurück. Nun war die Reiſeluſt in Platen erwacht, die ſein ganzes Leben lang leidenſchaftlich ſeine Bruſt erfüllte. Ein Jahr darauf macht er eine Reiſe in die Schweiz und ſchwärmt bald in Gedanken über ferne Länder und Meere.— Im Frühjahr 1818 ging er auf die Univerſität Würz⸗ burg, trieb philologiſche und philoſophiſche Studien mit muſterhaftem Fleiße, er⸗ lernte nach und nach ein Dutzend Sprachen, nämlich außer klaſſiſchem Deutſch auch Lateiniſch, Griechiſch, Arabiſch, Perſiſch, Spaniſch, Portugieſiſch, Italieniſch, Franzöſiſch, Holländiſch, Engliſch und Schwediſch, und las mit trefflichem Erfolge die vorzüglichſten Dichter Europas in der Urſprache.— 1819 bezieht er die Univerſität Erlangen, lernt den großen Philofophen Schelling kennen und hoch⸗ ſchätzen, wird mit Goethe, Jean Paul, Uhland, Schwab u. A. bekannt, reiſt im Herbſte 1824 durch die Schweiz nach Venedig und bekommt dadurch ein ſolches Verlangen nach Italien, daß er dort ſein Leben zu beſchließen gedenkt, und wenn er ſich dahin betteln müßte. 1826 geht Platen wirklich nach Italien, das er ſpäter nach allen Richtungen durchkrenzt. Der Polenkrieg ruft ſeine trefflichen Polenlieder hervor und macht ſeinem längſtgenährten Ruſſenhaß Luft. 1832 kommt er nach Deutſchland, bleibt den Winter über in München, geht im nächſten Frühjahr abermals über die Alpen, dann kommt er noch einmal in ſeine Heimat und ſcheidet bald für immer vom vaterländiſchen Boden. 1835 flüchtet Platen aus Furcht vor der Cholera von Neapel zu Schiffe nach Sicilien und ſtirbt an einer Entzündung am 5. December 1835 zu Syrakus. Ein Marmordenkmal bezeichnet ſeine Gruft. Seine großartige, auf den erſten Blick wie Anmaßung klingende, aber in vieler Beziehung doch ſehr wahre Grabſchrift hat er ſich ſelbſt geſungen.
Platen, dieſer würdige, gediegene, tiefe und ſittlichreine Charakter, voll be⸗ geiſterter Liebe für die echte, wahre Kunſt, iſt mit Rückert der größte Meiſter der Form und zieht ſich durch ſeine gerechten Kämpfe gegen alles Matte, Gemeine, Unſittliche, Unklare und Formloſe ꝛc. viele Feinde zu, unter denen namentlich H. Heine und Immermann, deren Stimmen ihn noch bis nach Italien verfolgen, an denen er ſich aber auch ſcharf in ſeinen dramatiſchen Werken rächt(im„ro⸗ mantiſchen Oedipus“; die„verhängnißvolle Gabel“ iſt gegen die Dichter der Schickſalstragödien).— Iſt auch Platen als Dichter vorzugsweiſe„poetiſcher Architekt“, ſo irrt man doch, wenn man den Werth ſeiner Gedichte bloß in der meiſterhaften Vollendung der Form und des tadelloſen Reimes ſucht und nur Kälte in ihnen finden will. Einige ſind allerdings marmorkalt und menſchen⸗ verachtend gehalten, die größere Maſſe quillt jedoch aus tiefer, warmer Bruſt und iſt auch nach ihrem innern poetiſchen Gehalt eine koſtbare Perle unſerer Literatur. Eine gewiſſe Wehmuth und trübe Auffaſſung der Welt und ihrer Verhältniſſe iſt dabei der, bald mehr, bald weniger hervortretende Grundton, der ſich durch ſie alle hinzieht:


