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Märchen erzählend, nnn die ſchwierigſten Stoffe durchführend, dann in flüchtigſten Scherzen reimend“; er iſt ein Cröſus an Poeſie, der kaum anders, als in Verſen denkt und dem das Leben ſo ſelbſt zum ununterbrochenen Gedicht geworden iſt. Natur und Liebe bilden dabei den ſichtbaren und unſichtbaren Faden, der die Perlen einer reinen Lebensweisheit, eines tiefen Gemüths und hoher Gedanken aneinander gereiht hält. Die Natur iſt ihm ein Kleid der Gottheit, deren Glie⸗ der wir ſind; ihr Athem iſt die Liebe, das Höchſte, was der Dichter kennt:
„Die Liebe iſt der Dichtung Stern,
Die Liebe iſt des Lebens Kern;
Und wer die Lieb hat ausgeſungen,
Der hat die Ewigkeit errungen“*).
Sie iſt auch der Mittelpunkt in Rückert's ſchönſten Liedern, und zugleich der reiche Schacht, in den er hinabſteigt und immer neue Schätze hervorholt; denn
„Je mehr die Liebe gibt, je mehr empfängt ſie wieder; Darum verſiegen nie des echten Dichters Lieder“.
Neben dieſem ungeheuren Reichthum liegt übrigens auch Manches Werthloſe, Sonderliche und Schülerhafte, und auch hier wieder iſt des Dichters eigen Wort trefflich bezeichnend:
„Die Flut der Poeſie wirft an den Strand, Viel bunte Steinchen, Kies und Sand, Darunter echte Perlen liegen“.
Sand und Perlen ſind eben gemiſcht und liegen oft ſehr nahe neben einander, ſo daß neben der duft- und farbenreichen Blume im rankenden, wucheruden Un⸗ kraut abgeblaßte und duftloſe Blüten treiben. Müßige Spielerei, bunter Flitter, geſuchte Phraſen und Sprachkunſtſtückchen müſſen oft die Fülle des Inhalts und Wärme des Gefühls erſetzen, ſo daß auch in dieſer Beziehung die Vezeichnung Rückert's als„poetiſcher Tonkünſtler“ Wahrheit hat. Indem wir nach dem Ge⸗ ſagten nun noch aus Rückert's Werken und Sammlungen: die unter dem Na⸗ men Freimund Reimar herausgegebenen„deutſchen Gedichte“ mit ihren ge⸗ harniſchten Sonetten, den„Liebesfrühling“ mit ſeinen fünf balſamiſch duftenden, immergrünen Sträußen unvergleichlicher Poeſie, die„Weisheit des Brahmanen“ mit den ſprühenden Funken tiefſten Geiſtes, die Bearbeitungen perſiſcher Volkslieder(„öſtliche Roſen“), arabiſcher Schelmengedichte(„Verwand⸗ lungen des Abu Seid von Serung“), indiſcher Heldenlieder(„Nal und Dama⸗ janti“), chineſiſcher Gedichtſammlungen„Schi— King“) hervorheben, ſchließen wir mit den Worten, womit Rückert ſein ganzes Wirken ſo trefflich charakteriſirt:
„Geiſt genug und Gefühl in hundert einzelnen Liedern Stren ich wie Duft im Wind, oder wie Perlen im Gras, Hätt ich in einem Gebild es vereinigen können, ich wär ein Ganzer Dichter, ich bin jetzt ein zerſplitterter nur“**).
Aug. Graf v. Platen⸗Hallermünde***), geb. am 24. Okt. 1796 zu
Ansbach, ward zum Militärdienſt beſtimmt und kam deßhalb 1806 in die Kadet⸗
*) Aus:„Frühlingslied“ Nr. 25.—**) Dichterh. 2r Bd., S. 411.—***) Dichterh. 2r Bd., S. 281.


