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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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den Hauch innerer Belebung ſind, wenigſtens genannt. Eduard Mörike, geb. am 8. September 1804 zu Ludwigsburg, ſtudirte zu Urach und Tübingen Theologie, beſchäftigte ſich aber nebenbei viel mit Gvethe und den griechiſchen Dichtern, wurde 1834 Pfarrer zu Cleverſulzbach bei Weinsberg und lebt gegen⸗ wärtig in Mergentheim iſt ein origineller und höchſt liebenswürdiger Dichter, der durch Wahrheit des Gefühls, der Auffaſſung und Anſchauung, Friſche und Wärme, wie durch feine, aumuthigen Wendungen, echte klangsvolle Seelenworte und einen, dem alten Volksliede abgelauſchten, klaſſiſchen Humor, Alles mit dem überraſchenden Zauber der Poeſie zu umkleiden und den vollen Segen eines reichen lyriſchen Genius vor uns auszuſchütten weiß. Dafür ſprechen Gedichte, wie: Er iſts(Nr. 3) Septembermorgen(Nr. 39) Zum neuen Jahr (Nr. 61) Mein Fluß(Nr. 136) Die traurige Krönung(Nr. 204), neben denen wir: Tag und Nacht Im Frühling Beſuch in Urach Wo find ich Troſt Charwoche(die beiden letzten als vortreffliche religiöſe Lieder) hervor⸗ heben. Ein größeres Stück Mörike's iſt der Roman:Maler Nolten voll Phantaſie und reicher Schönheit ſprachlicher Darſtellung.

§. 47. Laſſen wir nun auch die letzten leiſen Klänge der Romantik hinter uns, treten wir von ihrem letzten Boden, den die Freiheitsſänger und die ſchwä⸗ biſchen Dichter inne hatten, in die Zeit unſerer jüngſten Literatur hinein, ſo müſſen wir auf der Grenzſcheide bei zwei gewichtigen Dichterperſönlichkeiten Halt machen, die auf dem Standpunkterein poetiſcher Vermittelung ſtehend, der Romantik gegenüber die freie nebelloſe Einſchau in Natur und Leben von der Höhe der Dichtung ſuchen, während ſie auf der andern Seite die Erbſchaſt ro⸗ mantiſcher Sprach⸗ und Formenſchätze für eine neue Zukunft ſo geſchickt als be⸗ triebſam verarbeiten und im Dienſte der Kunſt verwenden wir meinen Rückert und Platen.

Friedrich Rückert iſt am 16. Mai 1789 zu Schweinfurt geboren. Er beſuchte das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, ſtudirte in Jena Sprachwiſſenſchaft und ſchöne Literatur, ward Privatdocent daſelbſt, redigirte dann das Morgenblatt in Stuttgart, war 1818 in Italien, wo er dem Volksgeſang große Aufmerkſam⸗ keit ſchenkte. Später finden wir ihn in Coburg und 1826 iſt er Profeſſor der Literatur und orientaliſchen Sprachen an der Univerſität Erlangen. Im Jahr 1840 ward er in gleicher Eigenſchaft vom König von Preußen nach Berlin be⸗ rufen und lebt nun dort mit dem Titel eines geheimen Regierungsraths. Es iſt kaum möglich, von Rückert's poetiſchen Leiſtungen in ſo beſchränktem Raume ein deutliches Bild zu entrollen, denn ein ganzes Meer poetiſcher Gedanken wogt und wallt in ſeiner tiefen Dichterbruſt und wirft mit größter Freigebigkeit ſeine koſtbaren Schätze von allen Formen faſt überreich den Menſchen zu, ohne ſich zu erſchöpfen.Seine Muſe ſammelt Blumen, Blüten und Früchte in Deutſchland, Italien, Griechenland, Arabien, Perſien, Indien; er ſingt vom ſtillen, häuslichen Kreiſe, vom Vaterland, von Erde und Himmel, von den zarteſten Rührungen, von den dunkelſten Geheimniſſen des Herzens, vom Sturme der Leidenſchaft und von der Begeiſtrung für Freiheit und Vaterland; bald ſüß und tändelnd, bald ernſt und donnernd, bald in freier Form des Volksliedes, bald in den kunſt⸗ reichſten Rhytmen, jetzt ergriffen von Hochgefühl des Erhabenſten, dann kindliche