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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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aus ihr tönen läßt. Nur der tiefe Schmerz iſt ihm die einzige Quelle echter Poeſie:

Poeſie iſt tiefes Schmerzen,

Und es kommt das echte Lied

Einzig aus dem Menſchenherzen,

Das ein tiefes Leid durchglüht

ſagt Kerner charakteriſtiſch genug. Daher das Schmerzhafte in ſeinen Gedichten, die unendliche Sehnſucht nach dem Jenſeits, das Anknüpfen an die Geiſterwelt und das Hereinragen derſelben ins irdiſche Leben. Er flieht vor dem kalten Menſchen und hält ſich an die warme, geheimnißvolle Natur. Manchmal jedoch begegnen wir in ſeinen Gedichten deren viele im volksthümlichen Tone ge⸗ halten ſind(Mir träumt ich flög gar bange In Waldesdunkel ſteht ein Bronn ꝛc.) auch wieder der geſunden Lebensfrendigkeit, dem kräftigen Humor und ſcharfen Witz, welche in ſeiner proſaiſchen Schrift:Reiſeſchatten des Schattenſpielers Luchs ſo ſchön durchgeführt ſind. Bald wählt er fromme Sagen, bald ſetzt er die Natur in die ernſteſten und wichtigſten Beziehungen zum Menſchenleben: Preiß der Tanne(Nr. 111) Wandrer in der Sägemühle (Nr. 187) ꝛc., und ſtimmt, freilich ſelten, ſeine Harfe zum politiſchen Liede. Großes Aufſehen machte ſein Buch:Die Seherin von Prevorſt, worin er ſich auf's Enutſchiedenſte für das Eingreifen der Geiſter in's Irdiſche erklärt.

Steht Kerner mehr als Liederdichter neben Uhland, ſo Guſtav Schwab mehr als Balladendichter. Schwab iſt am 17. Juni 1792 zu Stuttgart geboren, wo ſein Vater Oberſtudien⸗ und Conſiſtorialrath war. Von 1809 14 ſtudirte er in Tübingen Philoſophie und Theologie; hier lernte er Uhland kennen, der neben Goethe, Tieck, Novalis und A. W. Schlegel großen Einfluß auf ſeine poetiſche Entwicklung übte. 1815 kam Schwab als Repetent au's theologiſche Seminar zu Tübingen, wurde 2 Jahre ſpäter Profeſſor der alten Literatur am obern Gymnaſium in Stuttgart, 1837 Landpfarrer in Gomaringen(bei Tübingen), 1841 Stadtpfarrer und Dekan in ſeiner Vaterſtadt und 1845 Oberconſiſtorial⸗ und Oberſtudienrath. In der Nacht vom Z. auf den 4. November 1850 ſtarb er mit den Worten:Lebt Alle wohl! Herr Jeſus Chriſt! Wenn auch die Mehrzahl von Schwab's Poeſieen mit ähnlichen Dichtungen von Uhland den Vergleich nicht aushält, weil ſie oft allzuſehr der pvetiſchen Grundlage und ſchöpferiſchen Geſtaltung entöehren; ſo iſt doch nicht zu verkennen, daß einzelne Gedichte, wie: Das Gewitter(Nr. 57) Die Wolke am Sternenhimmel Die Schöpfung des Bodenſees Der Reiter und der Bodenſee(Nr. 208) Die Engelskirche auf Anatolikon Bemooster Burſche zieh ich aus ꝛc. mit Ehren neben ſolchen von Uhland und überhanpt dem Beſten der neueren deutſchen Lyrik genannt zu werden verdienen, deren klaſſiſcher Werth dem Dichter in der Geſchichte der Literatur ſeine Bedeutung ſichert.

Von den übrigen ſchwäbiſchen Dichtern ſeien nur noch Eduard Mörike etwas ausführlicher erwähnt und Guſtav Pfizer, geboren 1809 zu Stuttgart, Profeſſor am Gymnaſium daſelbſt, deſſen dichteriſche Erzeugniſſe bei theilweiſe nationaltreuer Haltung und ehrenhafter Freimüthigkeit meiſtens kalt und ohne