Dramen:„Zriny“ ꝛc., in Schiller'ſcher Weiſe, aber ohne deſſen großartige Genialität gedichtet, ſei nur im Vorübergehen gedacht.
Ferd. Gottf. Max v. Schenckendorf*)— geb. am 11. Decbr. 1784 zu Tilſit, ſtudirte in Königsberg Cameralwiſſenſchaft, ward ſpäter Referendar bei der Regierung zog 1813, obgleich an der rechten Hand gelähmt, mit ins Feld, erhielt nach beendigtem Kriege 1816 die Stelle eines Regierungsraths zu Cob⸗ lenz, wo er aber ſchon am 11. December 1817 ſtarb,— iſt im Bunde der Freiheitsſänger der Dritte. Seine patriotiſchen Lieder erklingen im leiſeren Tone, als die von Arndt und Körner, ſind aber meiſt rührend ergreifend, getragen von ſüßem Wohllaut und durchzogen von den Klängen hinreißender Innigkeit. So: Klaget nicht, daß ich gefallen— In dem wilden Kriegestanze— Freiheit, die ich meine— Erhebt euch von der Erde— Wie mir deine Freuden winken— Lied vom Rhein(Nr. 141) ꝛc. Schenckendorff hat auch einige religiöſe Lieder gedich⸗ tet, welche theilweiſe an die geiſtlichen Lieder von Novalis anklingen, und in ihrer ſchlichten Glaubensinnigkeit ſchon manches gläubige Herz getröſtet und erquickt haben. Wir nennen: Palmſonntag(Nr. 64)— Chriſt ein Gärtner— An das Herz— Weihnachtslied(Nr. 60).
§. 46. Mit dieſen Dichtern der Freiheitskriege vereinigen im ſchönen Schwabenlande einige Dichter ihre deutſch⸗vaterländiſchen Lieder, nur nicht ſo„ſchlachtenwild“, ſondern mehr ruhig, einfach, natürlich, ländlich**). An ihrer Spitze ſteht Lndwig Uhland**), geb. am 26. April 1787 zu Tübingen, wo ſein Vater Univerſitätsſekretär war. Er ſtudirte in ſeiner Vaterſtadt die Rechte, ward 1810 Dr. jar., ging nach Paris, um mittelalterliche Manuſeripte auf der dortigen Bibliothek zu ſtudiren und arbeitete nach ſeiner Rückkehr im Juſtizmini⸗ ſterium. Als Mitglied der 2. würtemberg. Ständekammer, wozu er 1816 gewählt wurde, zeigte er ſich ſehr freiſinnig. 1829 ward er Profeſſor der deutſchen Sprache und Literatur zu Tübingen, gab aber, als man ihm den Urlaub zum Eintritt in die Kammer verweigerte, ſeine Stelle als Profeſſor auf und verbat ſich jede fernere Erwählung. Nun lebte er als Privatmann zu Tübingen in glücklichen Vermögensverhältniſſen und machte öfters Reiſen durch Deutſchland. Im März 1848 entwarf er mit 16 andern Vertrauensmännern(Gagern, Gervinus, Baſſer⸗ mann ꝛc.) den Entwurf zur deutſchen Reichsverfaſſung, trat im Mai in die Nationalverſammlung ein und gehörte zuletzt noch dem Stuttgarter Rumpfparla⸗ ment an. Seitdem hat er ſich wieder in ſein häusliches Stillleben zurückgezogen.
Der Ruhm dieſes geſinnungstüchtigen, in jeder Beziehung trefflichen Sängers, iſt jetzt durch alle deutſchen Ganen gedrungen und ſichert dem biedern, tiefge⸗ müthlichen, aber auch kräftigen und wahrhaft volksthümlichen Lieder- und Balla⸗ dendichter einen unſterblichen Namen im Munde ſeiner Nation. Viele ſeiner Gedichte, die er alle erſt nach der ſchärfſten und ſtrengſten Prüfung in die Welt ziehen ließ, leben im Munde des Volkes und ſind mitunter in herrliche Muſik geſetzt; ſie erfreuen und erfriſchen des Menſchen Herz und Gemüth, ſie erklingen
*) Dichterhalle 3r Bd, S. 1.—**)„Es ſind die Stimmen überzeugungsfeſter Menſchen, die ſich der Naturſprache vermählen und ſo in naiver Friſche und Wahrheit die innerſte Einheit der Volks⸗ und Landesanſchauungen uns entgegenbringen“. Hillebrand.—***) Dichterhalle 3r Bd., S. 327.


