Druckschrift 
Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

421

8. 45. Wir verlaſſen nun den engeren Kreis der romantiſchen Schule, um die Dichter der Befreiungskriege eintreten zu laſſen, die zur Zeit, als Deutſchland aufſtand gegen den großen Völkerbezwinger Napoleon und der preußiſche Adler durch ſeine kühnen Flügelſchläge in allen treuen Herzen die große Hoffnung der deutſchen Freiheit erweckte, einwehrhaft Lied auf ihrer Harfe griffen, ſchmetternd wie Kriegspoſaunen. Ihre Reihe eröffnet Ernſt Moritz Arndt*), geb. am 26. December 1769 zu Schoritz(an der Meeresbucht der Inſel Rügen gelegen), trat nach einer kräftigen, faſt ſtrengen Erziehung 1787 in die Secunda des Gymnaſiums zu Stralſund ein, ſtudirte in Greifswalde und Jena Theologie und Philoſophie, pilgerte dannherrlich wie einBruder Sorgenlos in Deutſchland, der Schweiz, Oberitalien und Frankreich herum und ward erſt Privatdocent, dann außerordentlicher Profeſſor der Philoſophie zu Greifswalde. Wegen der Schrift:Geiſt der Zeit mußte Arndt 1806 nach Schweden fliehen, kehrte 1809 zurück, machte verſchiedene Reiſen durch Deutſch⸗ land, bis er 1818 Profeſſor der neuern Geſchichte zu Bonn ward. 1820 angeb⸗ lich wegen Theilnahme an burſchenſchaftlichen Umtrieben ſuspendirt, wurde er erſt 1840 wieder in Amt und Thätigkeit geſetzt. 1848 ward Arndt Mitglied der Nationalverſammlung zu Frankfurt und wohnt jetzt, von Alter und Kränklichkeit gedrückt, am Rhein. Arndt's poetiſche Wirkſamkeit iſt hauptſächlich die vater⸗

ländiſche Lyrik, obwohl er auch manches andere preiswerthe weltliche wie

religiöſe Lied gedichtet hat, wovon Schiffers Traum(Nr. 166) Grablied Ermunterung An die Lerche An die Sternlein ꝛc. ehrende Zeugniſſe ſind. Von ſeinen durch Kühnheit und Glut der Begeiſtrung, wie durch Friſche der Darſtellung und einen feſten, unverwüſtlichen Kern ehrenhafter Geſinnung und deutſcher Treue ausgezeichneten Freiheitsliedern, werden: Was blaſen die Trom⸗ pelen(Nr. 281) Der Gott, der Eiſen wachſen ließ Sind wir vereint zur guten Stunde ꝛc. immer in gutem Andenken bleiben.

Während Arndt's Geſänge jedes deutſche Herz trunken machten vor Begei⸗ ſterung, kämpfte Karl Theodor Körner**) mit Leier und Schwert, weihte Herz und Blut dem unterjochten Vaterlande und ſank mit der Leier ins Grab. K. Th. Körner wurde am 23. September 1791 zu Dresden geboren, bezog in ſeinem 17. Jahre als angehender Bergmann die Bergakademie in Freiberg und zwei Jahre ſpäter die Univerſität Leipzig, wo er ſich mit Philoſophie, Geſchichte und Anatomie beſchäftigte. Auf Oſtern 1811 ging er nach Berlin und im Herbſt nach Wien, wo er als Hoftheaterdichter angeſtellt wurde. 1813 legte er dieſe

telle nieder, trat in die Lützow'ſche Freiſchar ein, machte als Lientenant und Adjutant mehrere Gefechte mit und fiel am Morgen des 26. Auguſts 1813 bei Gadebuſch in Meklenburg⸗Schwerin. Körner's Kriegslieder inLeier und Schwert ſind das Beßte ſeiner Muſe und haben ihm neben ſeinem frühen ruhmvollen Heldentode die Unſterblichkeit geſichert. Weit bekannt ſind: Schwert⸗ lied Vater, ich rufe dich Friſch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauſchen Lützow's wilde Jagd Ahnungsgrauend, todesmuthig ꝛc. Körner's

*) Dichterhalle 1r Bd., S. 1.**) Dichterhalle 2r Bd., S. 101.