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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
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erſtes Werk iſt das Nachtſtück:Herzog Theodor von Gothland; mitMarius und Sulla betritt er den Boden des geſchichtlichen Dramas, auf dem dann Friedrich Barbaroſſa,Heinrich VI.Napoleon oder die 100 Tage,Hanni⸗ bal und dieHermannsſchlacht als einegeniale Reihe eherner Helden und zugleich alsZeugen einer hohen, wenn auch nicht durch liebevolle Wärme und reife Kunſt veredelten Dichterbegabung ſtehen.

§. 44. Den letzten beſtimmt vernehmbaren lyriſchen Klängen die eigent⸗ lichen Romantiker begegnen wir bei: Wilhelm Müller*), geb. am 7. Oktbr. 1794 zu Deſſau, bezog 1812 die Univerſität Berlin, um Philologie und Geſchichte zu ſtudiren, trat aber bald als Freiwilliger ins preußiſche Heer und nahm Theil am deutſchen Freiheitskriege. 1814 nach Berlin zurückgekehrt, beſchäftigte er ſich beſonders mit altdeutſcher Sprache und Literatur, unternahm 1817 eine Reiſe nach Italien, ward 1819 als Lehrer der klaſſiſchen Sprachen nach Deſſau be⸗ rufen und auch bald darauf als herzogl. Bibliothekar angeſtellt. Nach einer Reiſe nach dem Rhein und nach Schwaben ſtarb der 33jährige Dichter an einem Schlagfluſſe am 1. Oktober 1827. Wilhelm Müller's Lyrik iſt friſch und lebendig, naiv, anmuthig und heiter, ſanft und innig, leicht und ſangbar, getra⸗ gen von den Elementen der Volkspoeſie und ungekünſtelt und wahr in Gefühl, Empfindung und poetiſcher Anſchauung. Durch ſeineGedichte aus den hinterlaſſenen Papieren eines reiſenden Waldhorniſten, die voll der anſprechendſten und lieblichſten Melodien ſind, wie durch ſeineGriechen⸗ lieder, in denen er voll kräftigen Ernſtes, ſchwungvoller Begeiſtrung und glühender Freiheitsliebe die ſiegreichen Kämpfe einer unterdrückten Nation feierte, erwarb er ſich raſch die Gunſt des Publikums. Zu dem in unſerer Sammlung aufgenommenen vortrefflichen Naturbild: Die Forelle(Nr. 102) und den Balla⸗ den: Der kleine Hydriot(Nr. 180) und Alexander Rilanti(Nr. 249) ſind noch zu nennen: Das Frühlingsmahl Kinderluſt Der Glockenguß zu Breslau Est Est! Gottlieb Leopold Immanuel Schefer, geb. den 30. Juli 1784 zu Muskau, wurde 1813 Generalbevollmächtigter des Fürſten Pückler⸗ Muskau, bereiſte die meiſten Länder Europas und den Orient, worauf er 1820 in ſeine Vaterſtadt zurückkehrt, in der er noch jetzt lebt. Schefer ſteht zwiſchen Jean Paul's Sentimentalität und der romantiſchenPhantaſtik mitten inne, von der einen zur andern ſchwankend. Das zeigen beſonders ſeine Novellen, und an dieſem Schwanken leidet auch dasLaienbrevier, dem ſonſt Ge⸗ müthlichkeit, ſittlicher Gehalt und poetiſche Auffaſſung zur Zierde gereicht. Der Frühlingsſaal(Nr. 24) iſt ein trefflich gelungenes Gedicht, das ſich dem Beſten der Art an die Seite ſtellt. Friedrich v. Sallet, geb. am 20. April 1812 zu Neiſſe, ſtand als Offizier in Mainz und Trier, privatiſirte nach ſeinem Ab⸗ ſchied in Berlin und ſtarb 1843 zu Reichenau in Schleſten, lieferte in ſeinem Laienevangelium ein Gegenſtück zu Schefer's Laienbrevier, das, wie Sallet's Dichtung überhaupt, zu ſehr abſichtlich und didaktiſch gehalten iſt, als daß es wahrhaft poetiſch wirken könnte. Religiöſer und vaterländiſcher Sinn, übethaupt ehrenwerthe Geſinnungstüchtigkeit gereichen Sallet zur Ehre.

*) Dichterhalle 2r Bd., S. 213.

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