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Charakterzeichnung und gediegene, echt poetiſche Diktion auszeichnen“, umgekehrt werden muß, um wahr zu ſein. Chriſtoph Ernſt von Houwald— geb. am 29. November 1778 zu Straupitz in der Lauſitz, lebte als Landſyndikus der Lauſitz in Neuhaus, wo er 1845 ſtarb— läßt im„Bild“, im„Leuchtthurm“, in „Fluch und Segen“, der„Heimkehr“ ꝛe. ganz dieſelben Grundtöne durchtönen, wenn auch theilweiſe von andern Saiten angegeben. Höher als dieſe Beiden ſteht Franz Grillparzer, geb. 1790 zu Wien, wo er noch jetzt als Archivdirektor lebt.„Phantaſie und Gemüth reichen ſich in ihm freundlich die Hand“ und zeichnen neben Eleganz der Sprache ſeine Dichtungen aus, die bei gediegenerer Charakteriſtik eine rühmliche Stelle in der Literatur einnehmen würden Bekannt iſt die„Ahnfrau“;„König Ottokars Glück und Ende“ behandelt einen vaterlän⸗ diſchen,„Sappho“ und„das goldene Vließ“ griechiſche Stoffe im Dufte der Romantik, in der das Märchen:„Der Traum ein Leben“ ganz wurzelt. Zudem wir noch den, vorzugsweiſe in der hiſtoriſchen Tragödie ſich verſuchenden*) Dramatiker Ernſt Benjamin Salomon Raupach— geb. am 21. Mai 1784 zu Straupitz in der Lauſitz, ſtudirte in Halle Theologie, ward 1804 Erzieher und 1816 Profeſſor der Philoſophie und Geſchichte in Peters⸗ burg; lebt jetzt als Hofrath in Berlin,— von Hillebrand ein„neu aufgelegter Kotzebue“ genaunt, der„mit einem beweglich⸗oberflächlichen Talente begabt, ſich in die offene See der Dichtung hinauswagt, in ſeinem leichten Fahrzeuge allen Richtungen zuſteuernd, mit allen Winden ſegelnd“— hier nenuen, führen wir zugleich die einer etwas ſpäteren Zeit angehörenden Dichter: Immermann und Grabbe mit an, da ſie ebenfalls ihre Hauptbedeutung im geſchichtlichen Drama erlangt haben. Karl Lebrecht Immermaun— geb. den 24. April 1796 zu Magdeburg, ſtudirte in Halle, focht als Freiwilliger in den deutſchen Freiheits⸗ kämpfen mit, leitete ſpäter als preußiſcher Landgerichtsrath dass Theater in Düſ⸗ ſeldorf, wo er 1840 ſtarb— lieferte in dem„Trauerſpiel von Tyrol“ und „Kaiſer Friedrich II.“„zwei Dichtungen voll Kraft und Charakter, lebhaft in der Sprache und Entwickelung.“ Doch zeigt ſich auch dabei, wie noch mehr bei „Alexis“,„Merlin“,„Ghismonda oder die Opfer des Schweigens“ ꝛc. mehr oder weniger jene„eigene Miſchung von Stärke, ſelbſt Schroffheit mit Weichheit“. die Immermann's eigentliches Weſen ausmacht. Der gelungenen Romane:„Die Epigonen“ und„Münchhauſen“, ſowie Immermann's Schwanengeſang:„Triſtan und Iſolte“ können wir nur kurz gedenken. Dietrich Chriſtian Grabbe iſt am 11. December 1801 zu Detmold geboren, wurde ſchon als 4jähriges Kind von einer unnatürlichen Mutter mit geiſtigen Getränken beranſcht, ſtudirte in Leipzig und Berlin die Rechte, ward Advokat und Auditeur zu Detmold, nahm 1834 ſeine Entlaſſung, ging nach Frankfurt und Düſſeldorf, und ſtarb kurz nach ſeiner Zurückkunft in Detmold im Jahr 1836.— Grabbe hätte Großartiges leiſten können, wäre ſeine kraftvolle Genialität mit Kunſt der Plaſtik und Talent der Harmonie gepaart geweſen, hätte nicht ungezügelte Leidenſchaft, unhaltbare Unruhe und maßloſe Zerfahrenheit den Flug ſeines Geiſtes aus aller Bahn und Regel herausgeriſſen und ihn zum himmelſtürmenden Giganten gemacht. Grabbe's
*) Den Stoff dazu entlehnt er aus der Geſchichte der Hohenſtauſen und Cromwells.


