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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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Fremde in die Heimat ꝛc. borgt er von Goethe und Jean Paul Farbe und Weiſe, von der Romantik phantaſtiſche Uebertreibung. Höher als Wagner ſteht Wil⸗ helm Hauff*), geb. am 29. November 1802 zu Stuttgart, ſtudirte Philologie, Philoſophie und Theologie in Tübingen, ward Hauslehrer in Stuttgart und ſtarb daſelbſt am 18. November 1827. Unter ſeinen novelliſtiſchen Produkten, die bei aller Leichtigkeit und Friſche der Darſtellung vielfach ohneTiefe und poetiſchen Grund ſind, haben die: Phantaſien im Bremer Rathskeller Die Bettlerin am Pont des Arts Die Memoiren des Satans den meiſten poetiſchen Ge⸗ halt. Die von Hauff erneuerten alten Volkslieder:Steh ich in finſtrer Mitter⸗ nacht undMorgenroth(Nr. 180) ſind allbekannt. Hauff's vortrefflicher ge⸗ ſchichtlicher Roman:Lichtenſtein erinnert uns an Johann Heinrich Dauiel Zſchokke, geboren am 22. März 1771 zu Magdeburg, fand in der Schweiz ſeine eigentliche Heimat, wo er verſchiedene hohe Aemter bekleidete und 1848 ſtarb, der als Geſchichtsſchreiber in romautiſcher Färbung und Novelliſt(Flücht⸗ ling im Jura, Freihof von Aran, Adderich im Moos, der Creole, Alamontade ꝛc.) ſeinen Namen bekannt gemacht. SeinerStunden der Andacht dürfen wir nur beiläufig gedenken. Humoriſtiſchen Anſtrich, neben ſtarker Neigung zum Geſpen⸗ ſtigen und Spukhaften haben die Romane und Novellen(Serapionsbrüder, Lebensanſichten des Katers Murr ꝛc.) von Ernſt Theodor Amadeus Hoff⸗ mann, geb. am 24. Januar 1776 zu Königsberg, ſtudirte Recht und pflegte daneben die Muſik, wodurch es ihm möglich wurde, nach verſchiedenen Aemtern in Polen die Stelle eines Muſikdirectors zu Bamberg und Dresden zu über⸗ nehmen, welche Stellung er ſpäter wieder mit der eines Kammergerichtsraths zu Berlin vertauſchte, wo er 1822 ſtarb. An ihn lehnt ſich die neuere franzöſiſche Romantik zum großen Theile an. Philoſophiſcher Novelliſt iſt Heinrich Stef⸗ fens, geb. den 2. Mai 1773 zu Stavanger in Norwegen, lebte als Profeſſor in Halle und Breslau, von wo aus er mit in die deutſchen Freiheitskämpfe zog. Er ſtarb zu Berlin 1845. Auf dem Grundefriſcher Landſchaftlichkeit bringt er in derFamilie Walſeth und Leith, denvier Norwegern undMalcolm, anthropologiſche und naturphiloſophiſche Probleme zur Beſprechung.

8. 43. Die hauptſächlichſten, oder vielleicht beſſer die eigentlichen Dra⸗ matiker der romantiſchen Schule ſind: Heinrich von Kleiſt, geboren am 10. October 1776 zu Frankfurt a. d. O., machte den Rheifeldzug mit, nahm dann ſeinen Abſchied, ſtudirte Jurisprudenz, machte Reiſen nach Frankreich und in die Schweiz, wurde dann im Finanzminiſterium angeſtellt, aber 1806 von den Franzoſen gefangen und nach Frankreich geführt. Nach wieder erlangter Freiheit hielt er ſich, ganz der Dichtkunſt lebend, in Dresden, Prag und Berlin auf, bis er ſich, zerfallen mit ſich und der Welt, am 21. November 1811 zu Potsdam erſchoß. Kleiſt, von Mundt derpolitiſche Werther ſeiner Zeit genannt, deſſenLotte das Vaterland, deſſen Leidenſchaft die hoffnungsloſe Sehn⸗ ſucht nach deſſen Befreiung iſt, war ein hochbegabtes dramatiſches Talent, in urkräftiger Lebendigkeit an Shakspeare, in ſeiner Neigung zum Phantaſtiſchen,

*) Dichterhalle, 1r Bd., S. 371. Schenckel's Blüten, 2r Theil. IIte ſ. verm. Aufl. 27