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jedoch Chamiſſo auch mitnnter gar ſchön gezeichnet, und er dachte allzubeſcheiden von ſich, als er ſich ſelbſt alles Dichtertalent abſprach in den Worten:„Daß ich kein Dichter war und bin, iſt eingeſehen“. Seine Gedichte: Tragiſche Geſchichte, Der rechte Barbier(Nr. 229) u. a. ſind vom friſcheſten Humor durchweht. Großartig iſt: Salis y Gomez, ſchön ſind: Das Schloß Boncourt— Die alte Waſchfrau(Nr. 1500— Mäßigung und Mäßigkeit— Der alte Sänger — Des Rieſen Spielzeug(Nr. 223)— Die Löwenbraut— Frauenliebe und Leben— Friſch geſungen(Nr. 233) ꝛc.
Seine märchenhafte Erzählung„Peter Schlemihl“ iſt originell und berühmt. Sie iſt in die franzöſiſche, italieniſche und engliſche Sprache überſetzt.
Der ernſten Dichtung Chamiſſo's ſtehen die milden, lieblichen Lieder Eichen⸗ dorff's gegenüber. Joſeph Freiherr v. Eichendorff*) iſt geboren am 10. März 1788 auf ſeinem väterlichen Schloſſe Lubowitz(bei Ratibor in Ober⸗ ſchleſien), ſtudirte von 1805— 1808 die Rechte an den Univerſitäten Halle und Heidelberg, reiſte nach vollendeten Studien nach Paris, lebte hierauf einige Jahre in Wien und machte in der verhängnißvollen Zeit des Kriegs von 1813—1815 als Freiwilliger im Lützow'ſchen Chor die Feldzüge gegen Frankreich mit. 1816 nach Deutſchland zurückgekehrt, ward er Referendar in Breslau, Regierungsrath in Danzig, Oberpräſidialrath in Königsberg, und ſeit 1841 Geheimer Regierungs⸗ rath in Berlin, welche Stelle er gegenwärtig noch bekleidet.— Er iſt der liebens⸗ würdigſte und zarteſte Lyriker unter den ſpäteren Romantikern. Sehr treffend nenut ihn Mundt eine„Singvogelnatur“, denn er ſingt in rechter Naturluſt, wie Droſſel und Nachtigall, bald mit ſtarkem, freudigem, bald mit ſanftem, kla⸗ gendem Laut ſeine echten Herzenslieder, deren manche zu verbreiteten Volksliedern geworden ſind, wie„In einem kühlen Grunde“ u. a. In unſere Sammlung ſind aufgenommen: Es iſt nun der Herbſt gekommen(Nr. 46)— Verſchneit liegt rings die ganze Welt(Nr. 56)— O wunderbares, tiefes Schweigen(Nr. 75)— O Thäler weit, o Höhen(Nr. 120)— Durch Feld und Buchenhallen(Nr. 157). Dieſelbe zarte, melodiſche Sprache und Innigkeit und Wahrheit des Gefühls herrſcht in Eichendorff's größeren Dichtungen, wovon die Novelle:„Aus dem Leben eines Tangenichts“ und der Roman:„Dichter und ihre Geſellen“ die bedeutendſten ſind.
Mitten inne zwiſchen Hellenenthum und Romantik ſteht Johann Chriſtian Friedrich Hölderlin**), geboren am 29. März 1770 zu Laufen, unweit Heilbronn. Schon frühe von einer trefflichen Mutter zu innigem Gottvertrauen erzogen, ſtudirte er in Tübingen Theologie, ward 1793 durch Schiller's Ver⸗ mittlung Erzieher beim Freiherrn v. Kalb in Waltershauſen bei Meiningen, und 1796 Hauslehrer in einem Frankfurter Bankierhauſe. Durch ſchwärmeriſche Liebe zu der Mutter ſeiner Zöglinge zur Trennung genöthigt, ging er als Hofmeiſter nach Conſtanz, ſpäter nach Bordeaux, von wo er im Juli 1802 wahnſinnig zurückkehrte. Die Nacht des Wahnſinns umlagerte ſeinen Geiſt nun mit geringer Unterbrechung 40 Jahre hindurch, bis endlich am 7. Juni 1843 der Tod ſeinem unglücklichen Erdenleben ein Ende machte.— Wolfg. Menzel vergleicht die Seele
*) Dichterholle Bd. 1, S. 119.—**) Dichterhalle Bd. 2, S. 1.


