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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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wächter ꝛc.; das Drama: Halle und Jeruſalem ꝛc.— Mit Arnim in nächſter Verbindung ſteht Clemens Brentano*), geb. am 9. September 1778 zu Thal⸗Ehrenbreitſtein, machte ſeine Studien in Jena und lebte dann abwechſelnd in Jena, Frankfurt a. M., Heidelberg, Wien und Berlin. Uebergetreten zum Katholicismus ging er 1818 ins Kloſter Dülmen im Münſter'ſſchen und 1822 nach Rom. Seine letzte Lebenszeit verbrachte er in Regensburg, München und Frankfurt und ſtarb am 28. Juli 1842 zu Aſchaffenburg. Brentano„geht die germaniſche Innerlichkeit ab, welche ſich Arnim als Juwel ſtets bewahrt hat“; er ſpielt mit der Poeſie, hat ſich und die Welt zum Beſten, und läßt ganz gegen den Willen der Muſe das Heiligſte wie das Gemeinſte unter⸗ und nebeneinander auftreten; meiſterhaft reizende Schilderungen, ſchrankenloſe Unklarheit, ödes, wüſtes Treiben, tiefſte Innigkeit und Einfalt, Ungereimtheit, Uebertreibung, Verwilderung, Irrthümer, wunderliche Lanne, geliehener oder gemachter Witz und glücklicher Humor, kurz„alle poetiſchen Tugenden und Untugenden“ wechſeln untereinander. Bekannt ſind ſeine Lieder: Nach Sevilla— Es leben die Soldaten— Drauß vor Schleswig ꝛc. Die Novelle und Geſchichte„Vom braven Kaſperl und ſchönen Annerl“ gehört zu Brentano's gelungenſten Dichtungen.— Daß Brentano und Arnim„Des Knaben Wunderhorn“, eine Sammlung alter, lange ver⸗ kannter Volkslieder, herausgegeben, haben wir ſchon oben erwähnt.

Adalbert v. Chamiſſo**), eigentlich Louis Charles Adelaide de Cha- misso de Boncourt, ſtammt aus altadeligem Geſchlechte und iſt geboren am 27. Januar 1751 auf dem Stammſchloſſe Boncourt in der Champagne. 1790 begann die Auswanderung des franzöſiſchen Adels und auch Chamiſſo's Familie flüchtete nach Deutſchland. 1796 kam er nach Berlin, ward Page bei der Königin und 1798 Lieutenant in einem Infanterieregiment. 1805 rückte er mit ſeinem Regi⸗ ment in's Feld, ſtand unter der Beſatzung von Hameln, gab nach dem Tilſiter Frieden ſeinen Dienſt auf und ging 1807 nach Frankreich; denn obgleich er kein Freund Napoleons war, ſo wollte er doch nicht gegen ſein Vaterland dienen.— Die Frau von Stasl begleitete er auf ihrer Flucht nach der Schweiz, hielt ſich längere Zeit auf ihrem Landgute Koppet daſelbſt auf, kam 1812 wieder nach Berlin und ſtudirte Medizin und Naturwiſſenſchaft. Von 1815— 1818 machte er

als Naturforſcher eine von dem ruſſ. Reichskanzler, Grafen Romanzoff, veran⸗ ſtaltete Entdeckungsreiſe um die Erde mit; wählte ſich nach ſeiner Rückkehr Berlin zum feſten Wohnplatz und machte Preußen zu ſeinem Vaterlande. Die Univerſität Berlin ernannte ihn zum Pr. philos. und bald darauf wurde er Vorſteher der botaniſchen Sammlungen und Mitglied der Akademie der Wiſſen⸗ ſchaften. In ſeinen letzten Jahren war er meiſt kränklich. Er ſtarb am 21. Aug. 1838.

Chamiſſo hatte einen biedern, ehrenfeſten Charakter neben einer düſteren Gemüthsſtimmung, die ihre tägliche Nahrung aus den Erinnerungen an ſeine traurigen Schickſale ſog; deßhalb behandelt er auch mit großer Vorliebe das Ernſte, Herzerſchütternde, Herbe, Schauerliche, ja Gräßliche in ſeinen Gedichten oft ſo, daß Mancher die poetiſche Literatur um ſolche Arbeiten ärmer wünſcht, trotz der einzelen Schönheiten, die ſie haben. Das Zarte, Sanfte, Liebliche hat

*) Dichterhalle ir Bd., S. 43.—**) Dichterhalle 1r Bd., S. 61.