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Volkes erhalten*). Tieck ſehr nahe ſteht Friedrich Novalis**)(Friedrich Freiherr v. Hardenberg), geb. am 2. Mai 1772 zu Wiederſtedt im Mansfeldiſchen, ſtudirte in Jena 1730 Philoſophie, in Leipzig und Wittenberg 1792 die Rechte, in Freiberg 1797 Bergbau, wurde 1799 Salinenaſſeſſor zu Weißenfels, und ſtarb ſchon am 25. März 1801 als Amtshauptmann in Thüringen. Sein Hauptſtreben war Religion und Philoſophie, Kunſt und Leben miteinander auszuſöhnen und die Poeſie zum Mittelpunkt aller menſchlichen Weltanſchanung zu machen. Dabei iſt Novalis der Einzige unter den Romantikern, welcher außer dem Myſtiſchen und Nebelhaften die reinchriſtliche Innigkeit und die gläubig religiöſe Seite in der Romantik am beſten darſtellt. Viele ſeiner geiſtlichen Lieder ſind voll tiefen, religiöſen Gefühls, fruchtbarer Glaubenstiefe, Innigkeit, Wärme und Einfalt des Gemüths und werfen die Funken kirchlich⸗religiöſer Begeiſterung in die glaubens⸗ arme Zeit. Dahin ſind zu zählen: Was wär ich ohne dich geweſen— Wer einſam ſitzt in ſeiner Kammer— Wenn ich ihn nur habe— Wenn Alle untreu werden ꝛc. Weltliche Lieder dichtete er nur wenige, vortrefflich ſind davon das Weinlied(Auf grünen Bergen wird geboren) und das Bergmanuslied(Der iſt der Herr der Erde, Nr. 153). Hauptwerk iſt der unvollendete Roman:„Heinrich von Ofterdingen“ mit vielen hochpoetiſchen Schönheiten.
§. 41. Die genannten Dichter: Brüder Schlegel, Tieck und Novalis ſind die eigentlichen Häupter der romantiſchen Schule, ſie ſtehen aber keineswegs allein, ſondern die ganze nächſtfolgende Dichtung lehnt ſich mehr oder weniger an ſie an, die Grundidee und Grundſtimmung in ihre verſchiedene Elemente zerlegend und dieſe herausbildend. Der lyriſche Ton der Romantiker klingt vorzugsweiſe wieder bei Ludwig Achim v. Arnim***), geb. zu Berlin am 26. Januar 1781, ſtudirte zu Göttingen, widmete ſich namentlich den Naturwiſſen⸗ ſchaften, machte viele Reiſen durch Deutſchland, lebte längere Zeit mit Brentano in Heidelberg und hielt ſich dann theils in Berlin, theils auf ſeinem Landgute Wiepersdorf in Brandenburg auf, wo am 21. Januar 1831 ein Nervenſchlag ſein Leben endete t). Arnim, ein vielbegabter und vielgebildeter Dichter, hat hohen, vaterländiſchen Sinn, wohlthuende, tiefe Gemüthswärme, Friſche des Humors, Fülle der Phantaſie, Anmuth und Natürlichkeit, ermangelt aber der poetiſchen Herrſcherkraft, in deren Abweſenheit ſo viele Form⸗, Halt⸗ und Maß⸗ loſigkeit ſich unerquicklich breitet, gemiſcht mit Nebelbildern, Irrlichtern, ſowie Uebertreibungen und Wunderlichkeiten aller Art, aus denen uns oft noch ſchnei⸗ dende Kälte anweht. Als gelungene Gedichte nennen wir: Wenn des Frühlings Wachen ziehen— der Blinde ſchleicht am Wanderſtabe— Kalte Hände, warmes Herz— Die freie Nacht iſt aufgegangen. Größere Werke ſind die Romane: Armuth, Reichthum, Schuld und Buße der Gräfin Delores— Die Kronen⸗
*) Tieck's Jugendfreund Wilh. Heinr. Wackenröder(1772— 1798), ein reines, frommes, von einer ächten, durchaus kindlichen Religioſität geläutertes Gemüth, wie ihn Tieck ſchildert, der durch ſeine „Herzensergießungen eines kunſtliebenden Kloſterbruders“ in die Reihe der Romantiker gehört, ſei nur kurz erwähnt.—**) Dichterhalle Bd. 2, S. 265.—**) Dichterhalle Bd. 1, S. 33.—) Arnim's Gattin iſt Bettina, Brentano's Schweſter, geb. 1775 zu Frankfurt a. M.; hauptſächlich bekannt durch den Roman:„Briefwechſel Gvethe's mit einem Kinde“, mit dem ſie„auf der Höhe der Romantik ſteht, in der ſie die Vergangenheit und Gegenwart zu einem Gottesreiche der Zukunft verherrlichen möchte“.


