Druckschrift 
Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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zur Philologie über, ward 1798 Profeſſor in Jena, gab dann dieſe Stellung auf, um Reiſen durch Frankreich, Italien und Dänemark zu machen, worauf er 1818 Profeſſor der Literatur und Geſchichte in Boun ward, wo er am 12. Mai 1845 ſtarb. Schlegel war ein Mann von kritiſchem Scharfſinn, umfaſſender Gelehr⸗ ſamkeit und außerordentlicher Beleſenheit faſt in allen Literaturen. Als tüchtiger Kritiker kämpfte er im Bunde mit ſeinem Bruder und Tieck gegen das Schwache und Schlechte, meiſterte aber auch oft die Meiſter und warf ſich unberufen zu ihrem Herrſcher und Kunſtrichter auf. In ſeinen Gedichten iſt eine edle Sprache und eine reine Form, doch fehlt manchen der warme Pulsſchlag des Herzens. Wir erwähnen das Abendlied für die Entfernte— die Todtenopfer für ſeine Stieftochter Auguſte Böhmer— die vielgeprieſene und bekannte Romanze Arion. Durch die meiſterhafte Ueberſetzung des Shakspeare erwarb ſich Schlegel einen unſterblichen Namen, weil durch ihn der große Britte erſt vollkommen deutſches Eigenthum geworden iſt. Auch ſeine„Blumenſträuße der ſpaniſchen, portugieſiſchen und italieniſchen Poeſie“ ſind nicht ohne Verdienſt. Friedrich v. Schlegel*) — geb. am 10. März 1772 zu Hannover, ſtudirte in Göttingen u. Leipzig Philo⸗ logie, lebte dann in Berlin, Dresden, Paris und Wien; trat in Köln zum Katholicismus über und ſtarb in Dresden am 11. Januar 1829—„geht in rühmlichem Wetteifer neben ſeinem Bruder auf der Bahn nationalliterariſcher Wirkſamkeit“, iſt aber in wiſſenſchaftlicher und religiöſer Ueberzeugung weit wan⸗ kelmüthiger, weßhalb man ihn nicht ganz mit Unrecht das romantiſche Chamäleon genannt hat, das in allen Farben ſpielt. Als Kritiker und Sprachkenner groß, hat er auch ſeinen Dichterberuf in manchem gelungenen Liede bekundet: Es ſei mein Herz und Blut geweiht— Freiheit, ſo die Flügel— Im Speſſart— Bei Andernach am Rheine ꝛc. Der eigentliche Poet der romantiſchen Schule aber iſt Ludwig Tieck**), geb. am 31. Mai 1773 zu Berlin, ſtudirte zu Halle, Erlangen und Göttingen, lebte nach kürzerem Aufenthalt in verſchiedenen Städten Deutſch⸗ lands von 1819—42 in Dresden und hält ſich jetzt in Berlin und Potsdam auf, „durch Krankheit und Alter gebeugt, doch ſtets geiſtig friſch und regſam“. Er war der Dritte im Bunde der Schlegel, kämpfte gegen die falſchen Richtungen der Zeit mit reicher Phantaſie und ſcharfem, ironiſchem Witze; brachte uns durch Uebertragung und Bearbeitung der Minnelieder aus dem ſchwäbiſchen Zeitalter den Geiſt des Minnegeſangs wieder nahe; ſchuf die erſte im Geiſte des Originals gehaltene Uebertragung des Don Quirote und trug das Meiſte zum näheren Verſtändniſſe Shakspeare's bei. Seine eigene poetiſche Schöpferkraft hat er im Drama, in der Novelle und im Romane, cheilweiſe auch in der Lyrik bewieſen. Seine„Genoveva“, dann„Fortunatus“ und„Kaiſer Oktavianus“ bieten den feinſten Duft der Romantik; ausgezeichnet ſind ſeine Novellen„das Dichterleben“ und „Dichters Tod“ ꝛc. Von ſeiner Lyrik haben ſich: Im Windsgeräuſch, in ſtiller Nacht(Nr. 96)— Sieh die zarten Blüten keimen— Wohlauf! es ruft der Sonnenſchein— Wann das Abendroth die Haine— Wie lieb und hold iſt Frühlingsleben ꝛc. als wirklich poetiſche Gedichte im friſchen Andenken unſeres

*) Dichterhalle 3r Bde, S. 173.—**) Dichterhalle 3r Bd., S. 314.