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Talent und bedeutende poetiſche Compoſitionsgabe. Eine vorherrſchend ſentimen⸗ tale, von religiöſem Geiſte warm angehanchte Innerlichkeit iſt Mittelpunkt ſeines Lebens, die er,„umſchlungen von dem Farbenglanz und Duft ſeiner Phantaſie und bilderreichen Gefühls⸗Sprache, zwiſchen deren Blüten der Witz als funkelnde Thränenperle ſchimmert“, in ſeinen Arbeiten abdrückt, wobei jedoch eine gewiſſe Verworrenheit und Ueberladung oft ſtörend entgegentritt. Zieht das„Unſchuldige, Herzliche, Sehnſuchtsvolle und Wehmüthige ſeiner Schilderungen“, durchſprüht von den geiſtreichſten Gedanken und Bemerkungen, oder, wie Vilmar ſagt:„das bunte Feuerwerk, welches er in dem milden Dunkel der Sommernacht in tauſend ſprühenden, ſpringenden, gaukelnden Büſchen, Garben und Rädern vor uns ſpielen läßt“, an, ſo ſtößt die oft ſchwerfällige, gezwungene, ſprungweiſe fortſchreitende Darſtellung, das „unpoetiſche Durcheinander“ ab.— Von Jean Paul's Werken ſind zu nennen: Hes⸗ perus(1795)— Das Leben des Quintus Firlein(1795)— Titan(1800)— Die Flegeljahre(1804); wobei wir zugleich auf die wiſſenſchaftlichen Schriften: Vorſchule der Aeſthetik(1804) und Levana oder Erziehlehre(1807) hinweiſen.
§. 40. In Goethe und Schiller hatte die Poeſie ihre höchſte Höhe erreicht und ſie„drang mit Macht in die Wiſſenſchaft, in die bildende Kunſt, in das Leben“; ohne jedoch bis zum vollkommenen Einsſein damit zu gelangen. Dieſe vollſtändige Einheit herzuſtellen, oder wie A. Müller ſagte,„alle tauſendfarbigen Erſcheinungen der Wiſſenſchaft und Kunſt mit ihren unendlichen Reflexen in dem einen Brennpunkt der Poeſie zuſammenſtrahlen zu laſſen“, iſt die Hauptaufgabe der romantiſchen Schule, die um die Mitte der 90er Jahre entſtand. Der lebendige, fröhliche Geſang, welcher im Mittelalter die Herzen des Volkes friſch erhielt, das Volksepos, der entſchieden chriſtliche Glaube, das reiche, kirchliche Leben, wie die weltliche Macht und Größe, waren neben den romantiſchen Klängen der Spanier und der kühnen Originalität Shakspeare's die Mittel; das Ver⸗ ſchmelzen der aufgefundenen Schätze und Formen mit deutſchem Geiſte der Beruf dieſer Schule. Von dieſer Seite her betrachtet iſt ſie eine nothwendige Ergänzung unſerer zweiten klaſſiſchen Dichterperiode, indem ſie zur Univerſalität und zum innigen Verſchmelzen des deutſchnationalen Elementes mit dem fremdländiſchen viel beitrug. Hätten auch die Romantiker und ihre Jünger kein weiteres Ver⸗ dienſt, als die reiche Sammlung alter köſtlicher Volkslieder durch Arnim und Brentano, als die Pflege der Volksmärchen und Volksſage, die Kräftigung für den nationalen Geiſt, durch die Brüder Grimm*) und die großartige deutſche hiſtoriſche Sprachforſchung durch eben dieſelben: ſo hätten ſie dadurch ſchon eine bleibende Stellung in der Literaturgeſchichte erobert. Doch verdankt ihnen die Literatur noch mehr, wie die Betrachtung der einzelnen Vertreter, zu der wir jetzt übergehen wollen, zeigen wird.
Der eigentliche Begründer und Vater der romantiſchen Schule iſt Auguſt Wilhelm v. Schlegel**), geb. am 8. September 1767 zu Hannover, wo ſein Vater damals Geiſtlicher war. Anfangs zur Theologie beſtimmt, ging er ſpäter
*) Jakob Ludwig Karl, der ältere und bedentendere, iſt geb. 1785, Wilhelm Karl 1786, in Hanau. Gleichzeitig 1829 nach Göttingen berufen, 1837 aber entlaſſen, gingen ſie als Profeſſoren 1841 nach Berlin, wo ſie noch jetzt ununterbrochen thätig ſind und eben ihr großes deutſches Wörterbuch beſorgen.— **) Dichterhalle 3r Bd. S. 157.


