40
Anbetend kuie ich hier. Der Himmel, nah und fern, O ſüßes Graun! geheimes Wehn! Er iſt ſo klar und feierlich, Als knieten Viele ungeſehn So ganz, als wollt er öffnen ſich, Und beteten mit mir. Das iſt der Tag des Herrn!
Ludw. Uhland.
71. Sonntagsfrühe. Aus den Thälern hör ich ſchallen Gehn dem Vater ſie entgegen,
Glockentöne, Feſtgeſänge, Der auf goldner Saaten Wogen
Helle Sonnenblicke fallen Segnend kommt durchs Land gezogen.
Durch die dunkeln Buchengänge, Wie ſo ſtill die Bäche gleiten,
Himmel iſt von Glanz umfloſſen, Wie ſo licht die Blumen blinken!
Heilger Friede rings ergoſſen. Und aus längſt entſchwundnen Zeiten Durch die Felder ſtill beglücket Zieht ein Grüßen her, ein Winken,—
Wallen Menſchen allerwegen; Wie ein Kindlein muß ich fühlen,
Frohen Kindern gleich geſchmücket Wie ein Kindlein möcht ich ſpielen! Robert Reinick.
72. Sonntagsfrühe.
Der Samſtig het zum Sunntig gſeit: Und wemmen ¹*) endli au verwacht, „Jez hani alli ſchlofe gleit; Und gſchlofe het die ganze Nacht, Sie ſin vom Schaffe her und hi Se ſtoht er do im Sunneſchii, Gar ſölli ²) müed und ſchlöfrig gſi²), Und luegt eim zu de Fenſtern i, Und's goht mer ſchier gar ſelber ſo, Mit ſinen Auge mild und guet Iſcha faſt uf kei Bei meh ſtoh“. Und mittem Meyen ¹) uffem Huet.
So ſeit*) er, und wo's Zwölfi ſchlacht, Drum meint ers treu, und was i ſag, Se ſinkt er aben in d' Mitternacht. Es freut en, wemme ſchlofe mag, Der Sunntig ſeit:„Jez iſchs an mir!“ Und meint es ſeig ¹) no dunkel Nacht, Gar ſtill und heimli b'ſchließt er d'Thür. Wenn de Sunn am heitre Himmel lacht; Er düſelet*) hinter de Sterne no, Drum iſch er au ſo lisle cho, Und cha ſchier gar nit obſi*) cho. Drum ſtoht er au ſo liebli do.
Doch endli ribt er d' Augen us, Wie glitzert**) uf Gras und Laub Er chunnt der Sunn an Thür und Hus; Vom Morgenthau der Silberſtaub! Sie ſchloft im ſtille Chämmerli, Wie weiht*) e friſchi Mayeluft, Er pöpperlet) am Lädemli*); Voll Chrieſiblueſt*⁵) und Schleecheduft! Er rüeft der Sunne: d' Zit*) iſch do! Und d' Immli0) ſammleflink und friſch, Sie ſeit:„₰ chumm enanderno*). Sie wüſſe nit, aß's Sunntig iſch.
Und lisle) uf de Zeeche*³) goht, Wie pranget net im Garteland Und heiter uf de Berge ſtoht Der Chrieſibaum im Mayegewand,
Der Sunntig, und's ſchloft Alles no; Gel⸗Veieli und Tulipa Es ſieht und hört en niemes**) goh. Und Sterneblueme nebe dra,
Er chunnt ins Dorf mit ſtillem Tritt Und gfüllti Zinkli ¹) blau und wiiß,
Und winkt im Guhl ¹³):„Verrothminit!“ Me meint, me lueg ins Paredis!
1) ſehr.— 2) geweſen.— 3) ſagt.— 4) ſchlummert.— 5) aufwärts, über ſich.— 6) klopft ſchwach.— 7) kleines Fenſter.— 8) Zeit.— 9) geſchwind, einander nach.— 10) leiſe.— 11) Zehen.— 12) Rie⸗ mand.— 13) Hahn.— 14) wenn man.— 15) Blumenſtrauß.— 16) ſei.— 15 glänzt, ſchimmert.— 18) weht.— 19) Blüte kleiner Walbkirſchen.— 20) Bienen.— 21) Hyazinthen.


