Druckschrift 
Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

.

39

6

68. Wetterleuchten in der Ffingſtnacht.

(1831.)

Und als der Tag der Pfingſten erfüllet war, waren ſie alle ein⸗ müthiglich bei einander. Und es geſchah ſchnell ein Brauſen vom Himmel als eines gewaltigen Windes und erfüllete das ganze Haus, darin ſie ſaßen. Und man ſahe an ihnen die Zungen zertheilt als

wären ſie feurig.

Und er ſetzte ſich auf einen Jeglichen unter

ihnen. Und wurden Alle voll des heiligen Geiſtes und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geiſt ihnen gab

auszuſprechen.

Will Er in lichten Flammenbränden Von ſeiner Himmelsburg herab Aufs Neue ſeinen Geiſt uns ſenden, Wie Er ihn Chriſti Jüngern gab? Woher die Glut, die flüchtge, grelle, Die jener Wolke Schwarz umfliegt, Wie ſich ein Mantel weiß und helle Um eines Mohren Glieder ſchmiegt?—

Das ſind des Himmels offne Thüren; Das iſt die Glut, die ihm entquillt! Sein Leuchten will die Erde zieren, Wie Glorienglanz ein Heilgenbild.

69. Die

O du fröhliche,

O du ſelige

Gnadenbringende Weihnachtszeit!

Welt iſt verloren,

Chriſt iſt geboren:

Freue dich, freue dich, o Chriſtenheit! O du fröhliche,

O du ſelige

Gnadenbringende Oſterzeit!

Apoſt. Geſch. 2, 1—4.

Die Thäler all, der Berge Spitzen, Will heut des Geiſtes Flammenſpur, Die ganze Welt will ſie umblitzen; Wie einſt das Haupt der Zwölfe nur.

Denn morgen ſoll die heilge Feier Des ausgegoſſnen Geiſtes ſein! Und dazu weiht der hehre Weiher Die Welt mit ſeinen Flammen ein. Wie jener Wetter falbe Kerzen Am Horizonte lodernd ſprühn, So ſoll in allen Chriſtenherzen Ein heilig Geiſtesfeier glühn!

Ferd. Freiligrath.

drei Feſte.

Welt lag in Banden,

Chriſt iſt erſtanden:

Freue dich, freue dich, o Chriſtenheit!

O du fröhliche,

O du ſelige

Gnadenbringende Pfingſtenzeit!

Chriſt unſer Meiſter

Heiligt die Geiſter:

Freue dich, freue dich, o Chriſtenheit! Job. Daniel Falk.

70. Schäfers Sonntagslied.

Das iſt der Tag des Herrn! Ich bin allein auf weiter Flur,

Dieß iſt der Tag, den der Herr macht. Pſalm 118, 24.

Noch eine Morgenglocke nur; Nun Stille nah und fern!

müde, aber das Chriſt iſt erſtanden muß man alle Jahre wieder ſingen“. Und Gvethe:„Laßt ſies nur immer ſingen, wird bald verklingen. Dauert nicht ſo lang in den Landen als das:

Chriſt iſt erſtanden“.