0 33
Ja, laßt die Glocken klingen,„Gott in der Höh ſoll werden Daß, wie der Englein Singen, Der Ruhm und Fried auf Erden Sie rufen lant und klar: Und Wohlgefallen immerdar!“
Robert Reinick.
60. Weihnachtslied. su Brich an du ſchönes Morgenlicht! Wohlauf! du frohe Chriſtenheit,
Das iſt der alte Morgen nicht, Daß Jeder ſich nach langem Streit Der täglich wiederkehret. Im Friedenswerke übe.
Es iſt ein Lenchten aus der Fern, Ein ewig feſtes Liebesband
Es iſt ein Schimmer, iſt ein Stern, Hält jedes Haus und jedes Land Von dem ich längſt gehöret. Und alle Welt umfangen;
Nun wird ein König aller Welt, Wir Alle ſind ein heilger Stamm, Von Ewigkeit zum Heil beſtellt, Der Löwe ſpielet mit dem Lamm, Ein zartes Kind geboren. Das Kind am Neſt der Schlangen. Der Teufel hat ſein altes Recht Wer iſt noch, welcher ſorgt und ſinnt, Am ganzen menſchlichen Geſchlecht Hier in der Krippe liegt ein Kind Verſpielt ſchon und verloren. Mit lächelnder Geberde.
Der Himmel iſt jetzt nimmer weit, Wir grüßen dich, du Sternenheld, Es naht die ſelge Gotteszeit Willkommen, Heiland aller Welt, Der Freiheit und der Liebe. Willkommen auf der Erde!
Ferd. Gottfried Mar v. Schenkendorf.
61. Zum neuen Jahr.
Wie heimlicher Weiſe In Ihm ſeis begonnen, Ein Engelein leiſe Der Monde und Sonnen Mit roſigen Füßen An blauen Gezelten Die Erde betritt: Des Himmels bewegt.
So nahte der Morgen. Du Vater, du rathe! Jauchzt ihm, ihr Frommen, Lenke du und wende! Ein heilig Willkommen, Herr, dir in die Hände Ein heilig Willkommen! Sei Anfang und Ende, Herz, jauchze du mit! Sei Alles gelegt!
Eduard Mörike.
62. Der Geiſt in der Nenjahrsmitternacht.
Tochter, ſuech e Strumpf, und ſtopfen do hinte ins Fenſter, Wo hütt¹)'s Büebli mittem Stecke d'Scheibe verheit*) het. Gſchicht ich im neue Johr kei größer Unglück, aß das iſch, Chönneter z'friede ſy. Doch weihts) mer ſo froſtig in Aecke*), Und i bi die letzti Nacht e wengeli z'jung gſi“)
1) heute.— W zerſchlagen.— 3) wehts.— 4) Nacken.— 5) geweſen. Schendel's Blüten, 2r Lheil. 3


