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58. Hoffnung.
Und dräut der Winter noch ſo ſehr Und lacht in den ſonnigen Himmel hinauf
Mit trotzigen Geberden,
Und ſtreut er Eis und Schnee umher,
Es muß doch Frühling werden.
Und möchte vor Luſt vergehen. Sie flicht ſich blühende Kränze ins Haar, Und ſchmückt ſich mit Roſen und Aehren,
Und drängen die Nebel noch ſo dicht Und läßt die Brünnlein rieſeln klar,
Sich vor den Blick der Sonne, Sie wecket doch mit ihrem Licht Einmal die Welt zur Wonne.
Als wären es Frendenzähren. Drum ſtill! Und wie es frieren mag, O Herz, gib dich zufrieden;
Blaſt nur ihr Stürme, blaſt mit Macht, Es iſt ein großer Maientag
Mir ſoll darob nicht bangen,
Auf leiſen Sohlen über Nacht
Kommt doch der Lenz gegangen. Da wacht die Erde grünend auf,
Weiß nicht wie ihr geſchehen,
Der ganzen Welt beſchieden.
Und wenn diroft auch bangt und graut, Als ſei die Höll auf Erden, Nur unverzagt und Gott vertraut,
Es muß doch Frühling werden! Emanuel Geibel.
e) Feſt⸗ und Tageszeiten. 59. Weihnachtsfeſt.
Der Winter iſt gekommen Und hat hinweggenommen Der Erde grünes Kleid; Schnee liegt auf Blütenkeimen, Kein Blatt iſt an den Bäumen, Erſtarrt die Flüſſe weit und breit. Da ſchallen plötzlich Klänge Und frohe Feſtgeſänge Hell durch die Winternacht. In Hütten und Paläſten Iſt rings in grünen Aeſten Ein bunter Frühling aufgewacht. Wie gern doch ſeh ich glänzen Mit all den reichen Kränzen Den grünen Weihnachtsbaum, Dazu der Kindlein Mienen, Von Licht und Luſt beſchienen! Wohl ſchönre Freude gibt es kaum! Da denk ich jener Stunde, Als in des Feldes Runde Die Hirten ſind erwacht; Geweckt von Glanzgefunkel, Das durch der Bäume Dunkel Ein Engel mir herabgebracht.
Und wie ſie da nach oben
Den Blick erſchrocken hoben
Und ſahn den Engel ſtehn,
Da ſtaunten ſie wohl Alle,
Wie wenn zum erſten Male
Die Kindlein einen Chriſtbaum ſehn. Doch was iſt all Entzücken
Der Kindlein, die erblicken,
Was ihnen ward beſcheert,
Gedenk ich wie die Kunde
Des Heils von Engelsmunde
Die frommen Hirten angehört! Und rings ob allen Bäumen
Sang in den Himmelsräumen
Der frohen Engel Schar:
„Gott in der Höh ſoll werden
Der Ruhm und Fried auf Erden
Und Wohlgefallen immerdar!“— Drum pflanzet grüne Aeſte
Und ſchmücket ſie aufs Beſte
Mit frommer Liebe Hand,
Daß ſie ein Abbild werden
Der Liebe, die zur Erden
Solch großes Heil uns hat geſandt.


