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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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Wohlan! auf feſtgediegner Bahn Klimm ich den Hügel ſchnell hinan Und blicke froh ins Weite;

Und preiſe den, Der rings ſo ſchön Die Silberflocken ſtreute. Joh. Gaudenz v. Salis⸗Seewis.

53. Wintermorgen.

Wie der kalte, blaue, klare Himmel ſo erquicklich lacht!

Gleich als trüg er ſeine wahre, Höchſte Sonntags⸗Morgen⸗Tracht. Gibt, die Herzen zu erfriſchen, Er dem Volk heut einen Schmaus? Breitet deshalb auf den Tiſchen

Er die weißen Tücher aus? Bringt er edle Magenweine

In geſchliffenem Kryſtall?

Leckerein, candirte, feine,

In dem Körbchen von Metall?

Wenig wohl bekommt zu naſchen, Iſt auch ſchön der Tiſch gedeckt, Wer nicht etwa ſelbſt die Taſchen Sich mit Vorrath vollgeſteckt.

Aber dieſer klare Morgen,

Er erhöht mir Kraft und Muth; Ohne Arbeit, ohne Sorgen Kreiſt ſo raſch das leichte Blut.

Wenn der Wein gefriert von außen, Wird er innen doppelt ſtark; Luſtig muß im Froſte brauſen Innerer Geſundheit Mark.

Guſtav Pfizer.

54. Der Winter.

Iſch echt*) do obe Bauwele*) feil? Sie ſchütten eim e redli Theil In de Gärten aben und ufs Hus; Es ſchneit doch au, es iſch e Gruus; Und's hangt no menge Wage voll Am Himmel obe, merki wohl.

Und wo ne Ma*) vo witem lauft, So het er vo der Bauwele gchauft; Er treit*) ſie uf der Achsle no,

Und uffem Huet, und lauft dervo. Was laufſch denn ſo, du närrſche Ma? De wirſch ſie doch nit gſtohle ha? Und Gärten ab und Gärten uf Hen alle Scheie*) Chäpli uf. Sie ſtöhn wie großi Here do; Sie meine,'s heigs ſuſt niemes ſo. Der Nußbaum het doch au ſi) Sach Und's Here Hus un's Chilchedach).

Undwo meluegt'*), iſch Schnee u. Schnee, Me ſieht ke Stroß und Fußweg meh. Meng Somechörnli, chlei*) und zart, Lit unterm Bode wohl verwahrt,

Und ſchneis ſo lang es ſchneie mag, Es wartet uf ſi Oſtertag.

Meng Summervögli ſchöner Art Lit unterm Bode wohl verwahrt;

Es het kei Chummer und kei Chlag, Und wartet uf ſi Oſtertag;

Und gangs au lang, er chunnt emol Und ſider ¹) ſchlofts und's iſch em wohl.

Dochwenn im Früehlig's Schwälmliſingt Und de Sunne⸗wärmi abedringt,

Potz tauſig, wachts in jedem Grab, Und ſtreift ſi Todtehemdli ab.

Wo nummen*¹) au ne Löchli iſch Schlieft ¹²)'s Leben uſe jung und friſch.

1etwa, wohl. 2) Baumwolle. 3) Mann. 4) trägt. 5) Palliſaden um die Gärten.

6) ſeine. 12) ſchlüpft.

7) Kirchendach. 8) ſchaut, ſieht. 9) klein. 10) ſeit, unterdeſſen. 11) nur.