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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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d) Winter.

Der Herr gibt Schnee wie Wolle, er ſtreuet Reif wie Aſche. Er ſpricht, ſo zerſchmilzt es; er läſſet ſeinen Wind wehen, ſo thauet es auf.

* Pſalm 147, V. 16 u. 18.

51. Im Winter.

Der Winter ſteigt, ein Rieſenſchwan, hernieder, Die weite Welt bedeckt ſein Schneegefieder. Er ſingt kein Lied, ſo ſterbensmatt er liegt,

Und brütend auf die todte Saat ſich ſchmiegt; Der junge Lenz doch ſchläft in ſeinem Schvoß, Und ſaugt an ſeinex kalten Bruſt ſich groß, Und blühet einſt in tauſend Blumen auf,

Und jubelt einſt in tauſend Liedern auf.

So ſteigt, ein bleicher Schwan, der Tod hernieder, Senkt auf die Saat der Gräber ſein Gefieder,

Und breitet weithin über ſtilles Land,

Selbſt ſtill und ſtumm, das ſtarre Eisgewand; Manch friſchen Hügel, manch verweht Gebein, Wohl theure Saaten hüllt ſein Buſen ein; Wir aber ſtehn und blicken harrend hin,

Ob bald die Frühlingskeime anferblühn?

Anaſtaſius Grün.

52. Winterlied.

Das Feld iſt weiß, ſo blank und rein,

Vergoldet von der Sonne Schein, Die blaue Luft iſt ſtille;

Hell, wie Kryſtall,

Blinkt überall

Der Fluren Silberhülle.

Der Lichtſtrahl ſpaltet ſich im Eis, Er flimmert blau und roth und weiß Und wechſelt ſeine Farbe.

Aus Schnee heraus Ragt nackt und kraus Des Dorngebüſches Garbe.

Von Reif und Duft befiedert ſind Die Zweige rings, die ſanfte Wind Im Sonnenſtrahl bewegen.

Dort ſtäubt vom Baum Der Flocken Flaum Wie leichter Blütenregen.

Tief ſinkt der braune Tannenaſt Und drohet mit des Schnees Laſt Den Wandrer zu beſchütten;

Vom Froſt der Nacht Gehärtet, kracht Der Weg von ſeinen Tritten.

Das Bächlein ſchleicht, von Eis geengt; Voll lauter blauer Zacken hängt Das Dach; es ſtockt die Quelle; Im Sturze harrt,

Zu Glas erſtarrt, Des Waſſerfalles Welle.

Die blaue Meiſe piepet laut; Der muntre Sperling pickt vertraut Die Körner vor der Scheune.

Der Zeiſig hüpft Vergnügt und ſchlüpft Durch blätterloſe Haine.