Druckschrift 
Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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Der Sturm läßt ſeine Flügel ſinken, Der Regen ſäuſelt milde Ruh: Da ſah ich froh ein Hüttlein winken, Und eilte ſeiner Pforte zu. Nik. Lenau.

37. Das Gewitter.

Wer weiß, wie nahe mir mein Enbe?

Es kann vor Nacht leicht anders werden, Als es am frühen Morgen war.

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind In dumpfer Stube beiſammen ſind; Es ſpielet das Kind, die Mutter ſich ſchmückt, Großmutter ſpinnet, Urahne gebückt Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl Wie wehen die Lüfte ſo ſchwül! Das Kind ſpricht:Morgen iſts Feiertag, Wie will ich ſpielen im grünen Hag, Wie will ich ſpringen durch Thal und Höhn, Wie will ich pflücken viel Blumen ſchön; Dem Anger, dem bin ich hold! Hört ihrs, wie der Donner grollt? Die Mutter ſpricht:Morgen iſts Feiertag, Da halten wir Alle fröhlich Gelag, Ich ſelber, ich rüſte mein Feierkleid; Das Leben, es hat auch Luſt nach Leid, Dann ſcheint die Sonne wie Gold! Hört ihrs, wie der Donner grollt? Großmutter ſpricht:Morgen iſts Feiertag, Großmutter hat keinen Feiertag, Sie kochet das Mahl, ſie ſpinnet das Kleid: Das Leben iſt Sorg und viel Arbeit. Wohl dem, der that, was er ſollt! Hört ihrs, wie der Donner grollt? Urahne ſpricht:Morgen iſts Feiertag, Am liebſten morgen ich ſterben mag: Ich kann nicht fingen und ſcherzen mehr, Ich kann nicht ſorgen und ſchaffen ſchwer, Was thu ich noch auf der Welt? Seht ihr, wie der Blitz dort fällt? Sie hörens nicht, ſie ſehens nicht, Es flammet die Stube wie lauter Licht: