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Der Rebenſtock voll trauben ſchwär An pfählen lieblich ſcheinet, Alß gleich ein wohl gewaffnet heer, An ſpieſſen angeleinet. Da ſamblet ſich das reben blut, Zu ſüſſen trauben zähren; Die machen vnß den friſchen mut, Waß will man mehr begehren! O Gott ꝛc.
Die reine flüß Cryſtallen klar, Verbremt mit grünen weiden, Von ſchatten ſchier bedecket gar, Die Sonnenhitz vermeiden. Sich üben dort mit ſchwimmen viel, In ſchneegefärbten Schwanen. Dort haltens jhre frewden⸗ſpiel, Auff glatten waſſer⸗planen. O Gott ꝛc.
Die thier auff grünen Felden breit, Sich friſch ond frewdig zeigen. Daß wildt in dunkel wälden weit, Dem Jäger zeigt die feigen: Die vögel auch in freyem zug: In lufften frewdig ſpielen, Mit hin vnd her gewendtem flug Zum ehren⸗Cräntzlein zielen. O Gott ꝛc.
Wo nur daß aug man wendet hin, Mit lüſten wirds ergetzet; Ergetzet wird faſt jeder ſinn, Pnd alles wunder ſchetzet; Ohn maß iſt alle welt geſchmückt, Wer künſtler möchts erdencken? Wers recht bedenckt, wird gar verzückt, Das haupt thut niederſencken. O Gott ꝛc.
Drumb lobet jhn, jhr menſchenkind, Bey nun ſo ſchönen zeiten: All trawrigkeit nur ſchütt in wind, Spannt auff die beſte ſeyten: Auff harpff vnd Lauten taſtet frey, Schneid an die ſüſſe Geigen, Mit reiner ſtimm, vnd Orgelſchrey, Thut jhm all ehr erzeigen. O Gott ich ſing von hertzen mein, Gelobet muß der Schöpffer ſein.
Friedbrich Spee.
29. Sommergeſang. a6505
Geh aus, mein Herz, und ſuche Freud In dieſer lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben;
Schau an der ſchönen Gärten Zier, Und ſiehe, wie ſie mir und dir Sich ausgeſchmücket haben..
Die Bäume ſtehen voller Laub, Das Erdreich decket ſeinen Staub Mit einem grünen Kleide.
Narziſſus und die Tulipan, Die ziehen ſich viel ſchöner an Als Salomonis Seide.
Die Lerche ſchwingt ſich in die Luft, Das Täublein flengt aus ſeiner Kluft Und macht ſich in die Wälder,
Die hochbegabte Nachtigall Ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder.
Die Glucke führt ihr Völklein aus, Der Storch baut und bewohnt ſein Haus, Das Schwälblein ſpeiſt ihr' Jungen Der ſchnelle Hirſch, das leichte Reh Iſt froh, und kommt aus ſeiner Höh Ins tiefe Gras geſprungen.


