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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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Den Weinſtock Augen und die Feigen Blätter Gewinnen! und der Saal ſo licht, daß droben Die Lerche ſelbſt, die graue Lerche, ſieht,

Die unter ihrem wolkenhohen Liede

In grüner Saat, in ſtillem Neſte brütet;

So bald verſchloſſen, daß die Hyacinthe Hervorzubrechen eilt und abzublühn;

Daß jede Welle unaufhaltſam fließt,

Als habe ſie nicht auf ein Wörtchen Zeit!

So ſchön, daß auch Homer mit blinden Augen Noch einmal weinen würde! Und ſo lieb,

Die Todten Priamus und Helena,

Und Karl der Große und Napoleon,

Sie möchten im Gefängniß ihrer Gruft,

Ein kleines, kleines Fenſterchen nur haben,

Um einen Blick hinaus zu thun zum Himmel Nur groß genug, das Ohr daran zu legen, Ein Viertelſtündchen lang das Bienenſurren

Und das Geruf der Vögel anzuhören,

Zu weinen und, nach langem Schlaf geſtärkt, Sich wieder hin zu langem Schlaf zu legen, Dem ſchweren Schlaf der Todten! Doch du lebſt In dieſer Werkſtatt zarter Wunderwerke,

In der kein Hammerſchlag erklaug, kein Pinſel Wo übrig ſteht kein Meiſter ſichtbar ſchuf Und doch iſt Alles fertig! Wunderſam!

Nur Wolken fliegen weg, die Waſſer trugen! Nur Waſſer rauſchten fort, die Wieſen netzten! Und lächelnd ſtill, als ob ſie Nichts gethan, Steht hell die Sonn am Himmel, doch noch ſichtbar Den Menſchen, aber der, der Alles thut,

Der Meiſter iſt nicht einmal ſichtbar, lächelt Selbſt nicht einmal der Frühling iſt ſein Lächeln.

Leopold Schefer.

25. Frühlingslied. Der Frühling lacht von grünen Höhn, Wann Abendroth den Purpur webt, Es ſteht vor ihm die Welt ſo ſchön, Darin die Sonne ſich begräbt,

Als ſeien eines Dichters Träume Schließt ſich befriedigt jede Blüte Getreten ſichtbar in die Räume. Und Sehnſucht ſchlummert im Gemüthe. Wann ſchöpferiſch aus Morgenduft Vom Morgen bis zur Nacht entlang

Der Sonne Strahl die Weſen ruft, Iſt all ein Kampf der Sonne Gang; Kehrt jedes Herz ſich, jede Blume, Ein Kampf die Schöpfung zu geſtalten, Empor zum lichten Heiligthume. Durch Licht zur Schönheit zu entfalten.