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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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Aber die Sonne duldet kein Weißes, Ueberall regt ſich Bildung und Streben, Alles will ſie mit Farben beleben;

Doch an Blumen fehlts im Revier,

Sie nimmt geputzte Menſchen dafür.

Kehre dich um von dieſen Höhen

Nach der Stadt zurück zu ſehen.

Aus dem hohlen finſtern Thor

Dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder ſonnt ſich heute ſo gern.

Sie feiern die Auferſtehung des Herrn, Denn ſie find ſelber auferſtanden,

Aus niedriger Häuſer dumpfen Gemächern, Aus Handwerks⸗ und Gewerbes⸗Banden,

Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, Aus der Straßen quetſchender Enge,

Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht

Sind ſie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, ſieh! wie behend ſich die Menge Durch die Gärten und Felder zerſchlägt,

Wie der Fluß in Breit und Länge,

So manchen luſtigen Nachen bewegt,

Und, bis zum Sinken überladen,

Entfernt ſich dieſer letzte Kahn.

Selbſt von des Berges fernen Pfaden Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre ſchon des Dorfs Getümmel,

Hier iſt des Volkes wahrer Himmel,

Zufrieden jauchzet Groß und Klein:

Hier bin ich Menſch, hier darf ichs ſein.

Job. Wolfg. v. Goethe.

24. Der Frühlingsſaal.

Nun iſt ein großer Wunderſaal geöffnet, Der Frühlingsſaal! ſo groß, daß See und Inſeln, Die Hügel Trojas und dein Vaterland Wie kleine Kindergärtchen drinnen liegen! So alt, daß Abel ihn erkennen würde; So neu, daß ihn der Silbergreis beſtaunt, Der achtzigmal durch ſeine Pracht gewandelt; So warm, daß Bathſeba noch einmal gern Umweht von ſeinen Düften badete; So reich, daß Salomo nur ſchauen möchte