Druckschrift 
Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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7 O Laut, in welchem ſich Zuerſt der Lenz enthüllet, Und der, wie keiner, mich Mit ſüßen Schauern füllet! Mir iſts, als ſchlief in dir Der Einklang aller Stimmen, Die ſpäter durchs Revier Drin einſt zu Pfingſten kam Des Mais geſondert ſchwimmen; Der Geiſt des Herrn hernieder. Verſtummend muß ich dir Mein Haupt in Andacht bengen: O komm, zu ruhn in mir, Und heilge Kraft zu zeugen!

Als ſprächſt du aus geſammt Die tauſend Schöpfungstriebe, Damit die Welt durchflammt Der Rathſchluß ewger Liebe.

Du mahneſt wunderſam Mich an das Sauſen wieder,

Emanuel Geibet.

22. Im Frühling.

Der Frühling kam, der Frühling rief Da öffneten ſich allzumal Vom Berg ins Thal hinunter: Die Särge der Winterſchläfer; Wär euer Schlaf auch noch ſo tief, Da ſpielten in der Sonne Strahl Ihr Schläfer, werdet munter! Die Mücken und die Käfer.

Da wurden auch die Veilchen wach, Die tief im Graſe wohnen, Und bunte Primeln folgten nach Und weiße Anemonen.

Da fing mein Herz zu klopfen an, So ſchmerzlich und ſo bange;

Da regten tauſend Keime ſich Und wurden ſtark und ſtärker, Und dehnten ſich und ſtreckten ſich Und ſprengten ihre Kerker.

Da traten Blätter zart und weich Aus kleinen braunen Wiegen,

Um ſchüchtern an den ſchlanken Zweig Sich innig anzuſchmiegen.

Da ſprang Schneeglöckchen pfeilgeſchwind

Aus ſeinem grünen Bette; Es glaubte ſchon das ſchöne Kind, Daß es verſchlafen hätte.

Ein Strom von bittern Thränen rann Heiß über meine Wange.

Der Lieben hab ich ſtill gedacht, Die grüne Hügel decken, Und die der Lenz mit ſeiner Macht Nicht kann vom Schlaf erwecken.

Julius Sturm.

23. Frühling.(Aus Goethes Fauſt.) Vom Eiſe befreit ſind Strom und Bäche Durch des Frühlings holden belebenden Blick;

Im Thale grünet Hoffnungsglück: Der alte Winter, in ſeiner Schwäche, Zog ſich in rauhe Berge zurück.

Von dorther ſendet er, fliehend, nur Ohnmächtige Schauer körnigen Eiſes In Streifen über die grünende Flur;