Auf gen Himmel alles Leben!
Denn vom Himmel kams herab; Drum, ſo laßt uns wieder geben, Was er uns ſo gnädig gab.
Ja, jetzt ſind wir froh und ſingen Auf des Frühlings Freudenau, Thun, als wollten wir gleich ſpringen In des Himmels ewges Blau.
Alle Sorg und Traurigkeit,
Jeder Gram und jedes Leid
Bleibt der Erde, nur der Erde!
Aug. Hch. Hoffmann v. Fallersleben.
20. Gen Maien.
Gen Maien blüht der Tag herein Mit Liedergruß und Freudenſchein, Die Erde feiert„hohe Zeit“
In Kränzen Duft und Thaugeſchmeid; In Lüften jauchzt der Sänger Heer Dem Unerforſchten Preis und Ehr; Voll grüner Noten hängt der Strauch, Der Sänger iſt der Frühlingshauch; In Feld und Wald, auf Berg und See Kein Räumlein, das nochtrüb und weh!—
Wie nun ſo wunderlicht, ſo gut, Du, liebe Seele, ſteht dein Muth! Was du geſorgt noch im April,
Du weißt es nimmer,— Alles ſtill! So leiſe wie das Abendroth,
So leis entſchlief die alte Noth;
So ſelig wie der Morgenhauch,
So friſch erſtand dein Sinnen auch, Und unbegriffen, unbewußt
Iſts wieder Lenz in deiner Bruſt.
Das iſt kein arges Sorgenkraut,
Was dir im Herzen grünt und thaut,— Das Blümlein, was da ſproßt und blüht, Es iſt der Glauben im Gemüth, Das will hinaus auf grünen Plan
Und Gott den Vater beten an,
Der ſeiner Liebe ewgen Bund
Mit Sternen ſchrieb auf Himmelsgrund— Sein heilges Wort, den lichten Brief, Voll tauſend Bildern hehr und tief.
Die Wunder drängen ſich zu Hauf;— Wo fang ich an,— wo hör ich auf?— Ein Blättlein buchſtabir ich laut:
„Die Erde iſt des Himmels Braut!“— Und dorthin ſchrieb ſein Finger lind: „Du, Menſch, biſt ewger Liebe Kind!“— Mir wachſen Schwingen an das Herz; Ihr Lerchen auf und himmelwärts,
Bis wo die Englein wohnen ſchier, Dort ſtimmt mit mir in heller Zier:
„Herr, unſer Gott, dich loben wir!“—
G g. Scheurlin.
21. Frühlingsbrauſen.
Nun knospt im Sonnenſchein Das erſte Grün der Halde; Nun laſſet ganz allein Dahin mich gehn im Walde
Ich will am frühen Duft Der Veilchen mich berauſchen, Dem Brauſen in der Luft, Dem heilgen, will ich lauſchen.
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