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Da iſts in Rösleins Herz gedrungen, Das ſchüchtern aus der Knospe ſah: „Hat Vöglein nicht vom Lenz geſungen? Wach auf! Der Lenz iſt wieder da!“
Und wie das Licht ſein Aug umfangen, Weiß Röslein kaum, wie ihm geſchah. Die Lüfte ſtreicheln ihm die Wangen: „Weißt ſchon? Der Lenz iſt wieder da!“ Oskar v. Redwitz.
17. Frühlingslied.
Tief im grünen Frühlingshag Durch die alten Rüſtern Wandelt leis am ſchönſten Tag Wunderſames Flüſtern.
Jedes Länblein ſpricht:„Gott grüß!“ Zu dem Laub daneben,
Alles athmet tief und ſüß
Heilges Friedensleben.
Und wie Blüt und Blatt am Strauch Still ſich wiegt im Glanze,
Wiegt ſich meine Seel im Hauch, Der durchſtrömt das Ganze.
Gmanuel Geibel.
18. Frühlingsblicke.
Durch den Wald, den dunkeln, geht Holde Frühlingsmorgenſtunde,
Durch den Wald vom Himmel weht Eine leiſe Liebeskunde.
Selig lauſcht der grüne Baum, Und er taucht mit allen Zweigen In den ſchönen Frühlingstraum, In den vollen Lebensreigen.
Blüht ein Blümlein irgendwo,
.
Wirds von hellem
Thau getränket,
Das einſame zittert froh, Daß der Himmel ſein gedenket.——
Nik. Lenau.
19. Frühlingsfeier.
Wälder knospen, Wieſen grünen, Neues Leben dringt hervor; Auch das Gräschen auf den Dünen Streckt ſein Händlein froh empor. An den Bächen, an den Quellen Tanzen Mücken hier und dort, Fiſche hüpfen auf den Wellen, Schwalben ſegeln drüber fort. Alles webet, ſchwebet, ringt Freut ſich, ſchwingt ſich, jauchzt und ſingt Auf gen Himmel, auf gen Himmel.
Sollen wir denn jetzt noch trauern Wie der Winter ernſt und kalt? Wir in unſern alten Mauern Ohne Himmel, Feld und Wald? Nein, wir wandeln draußen wieder! Freude gibt uns ihr Geleit,
Liebe lehrt uns neue Lieder,
Schenkt uns neue Seligkeit.
Unſre Seele ringt und ſtrebt,
Singt und ſchwingt ſich, webt und ſchwebt Auf gen Himmel, auf gen Himmel.


