Druckschrift 
Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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Tage der Wonne Kommt ihr ſo bald? Schenkt mir die Sonne Hügel und Wald?

Reichlicher fließen Bächlein zumal.

Sind es die Wieſen? Iſt es das Thal?

Blauliche Friſche! Himmel und Höh! Goldene Fiſche Wimmeln im See.

14. Frühzeitiger Frühling. Buntes Gefieder Rauſchet im Hain, Himmliſche Lieder Schallen darein. Unter des Grünen Blühender Kraft Naſchen die Bienen Summend am Saft. Leiſe Bewegung Bebt in der Luft, Reizende Regung, Schläfernder Duft.

Mächtiger rühret Bald ſich ein Hauch, Doch er verlieret Gleich ſich im Strauch.

Aber zum Buſen Kehrt er zurück, Helfet, ihr Muſen, Tragen das Glück!

Saget ſeit geſtern Wie mir geſchah? Liebliche Schweſtern, Liebchen iſt da!

Joh. Wolfg. v. Gvethe.

15. Der Lenz.

Da kommt der Lenz, der ſchöne Junge, Den Alles lieben muß, Herein mit einem Freudenſprunge Und lächelt ſeinen Gruß.

Und ſchickt ſich gleich mit frohem Necken Zu all den Streichen an, Die er auch ſonſt dem alten Recken, Dem Winter angethan.

Er gibt ſie frei, die Bächlein alle, Wie auch der Alte ſchilt, Die der in ſeiner Eiſesfalle So ſtreng gefangen hielt.

Schon ziehn die Wellen flink von dannen Mit Tänzen und Geſchwätz, Und ſpötteln über des Tyrannen Zerronnenes Geſetz

Den Jüngling freut es, wie die Raſchen Hinlärmen durchs Gefild, Und wie ſie ſcherzend ſich erhaſchen Sein aufgeblühtes Bild.

Froh lächelt ſeine Mutter Erde Nach ihrem langen Harm; Sie ſchlingt mit jubelnder Geberde Das Söhnlein in den Arm.

In ihr Gewand greift raſch der Loſe Und zieht ihr ſchmeichelnd keck Das ſanfte Veilchen und die Roſe Hervor aus dem Verſteck.

Und ſein geſchmeidiges Geſinde Schickt er zu Berg und Thal: Sagt, daß ich da bin, meine Winde, Den Freunden allzumal!

Er zieht das Herz an Liebesketten Raſch über manche Kluft,

Und ſchleudert ſeine Singraketen, Die Lerchen, in die Luft.

Nik. Lenau.

16. Der Lenz iſt da.

Sieh dort! Wie ſich das Vöglein putzet, Das Köpfchen tragend ſtolz und frei!

Jetzt lockt ein Ruf. Wie's zierlich ſtutzet,

Ob das die Lenzesbraut wohl ſei!

Und hin und her die Beiden locken, Sie ſind ſich neckend fern und nah Im Klee und in des Schlehdorns Flocken, Und rufens laut!Der Lenz iſt da!