Druckschrift 
Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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10. Frühling. Frühling, ſüßes, liebes Wort! Blauer Himmel, ſonnig Wetter! Frühling hier und Frühling dort! Feßle deine Zunge Mund, Blumen, Nachtigallen, Blätter, Frühling gibt ſich ſelber kund.

Aug. Hch. Hoffmann von Fallersleben.

Die Erde ſagt es den Lerchen an, Die Wieſenblumen und Quellen, Daß der Frühling gekommen ſei. Und endlich hörts die ganze Welt, Da ſchwingen ſie ſich himmelan Auch der Menſch in ſeinen Zellen. Und ſingen es laut und frei; Der Menſch hört es zuletzt und ſieht

Es hörts der Wald, es hörts das Feld, Nur wie der Frühling ihm entflieht. Aug. Hch. Hoffmann von Fallersleben.

12. Frühlingsahnung.

Wenn es wieder Frühling will werden, Da fallen die Blumen herab auf Erden, Die Berge knien am Himmelsſaum; Die Thäler klingen, die Quellen ſchlagen, Kein Schmerz hat Thränen in dieſen Tagen, Kein Herz zu trübem Sinnen Raum; Gott Vater geht durch die Schöpfung ſtill, Wenn wieder Frühling werden will.

Und ſoll dir Frühling im Herzen blühen, So mußt du wandern, ſo mußt du ziehen, Mit jungen Liedern im Morgenſchein; Und fühlſt dus regen und fühlſt es dringen, Mit ſeligen Armen dich umſchlingen Und Erd und Himmel und Alles dein, Und Gottes Wandeln durch dein Gemüth, Dann, Herz, erjauchze: dein Frühling blüht!

Gg. Scheurlin.

N

13. Liebesfeier.

An ihren bunten Liedern klettert Da ſind, ſo weit die Blicke gleiten, Die Lerche ſelig in die Luft, Altäre feſtlich aufgebaut,

Ein Jubelchor von Sängern ſchmettert Und all die tauſend Herzen läuten Im Walde, voller Blüt und Duft. Zur Liebesfeier dringend laut.

Der Lenz hat Roſen angezündet

An Leuchtern von Smaragd im Dom; Und jede Seele ſchwillt und mündet Hinüber in den Opferſtrom. . Rikol. Lenau

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