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und als derſelbe ſchmerzlich ſeußte:„Mein Ge⸗ fangener alſo?“ reichte Wittgen ihm freundlich die Hand und ſagte ſanft:„aber kein Raͤuber!“
12.
Die Zeit ging an Wittgens Schmerzenlager voruͤber, ohne von ihm bemerkt zu werden! ſo hatte er den erſten Wechſel von Tag und Nacht nicht wahrgenommen, und wie durch Zauber in einem Augenblick hieher verſetzt, kam ihm die Erſcheinung vor, die er erblickte. Marie ſtand vor ſeinem Bette. Unendliche Liebe, Sorge und
Fammer im Blicke, ſchaute ſie auf ihn nieder; ein tiefer, ſchmerzlicher Seufzer erweiterte ihre ge⸗
preßte Bruſt— und mit beiden Haͤnden die Laute emporhebend, fiel ſolche, indem ſie jene betend faltete, zur Erde, und der Zerſplitternden letzter Ton hallte klagend von dem Gewoͤlbe wieder. „ Ihr Leben iſt verklungen“— ſprach ſie mild und ohne alle Betonung; doch ploͤtzlich auf die Kniee ſinkend, und mit ausgebreiteten Ar⸗ men ſich uͤber den Geliebten neigend, rief ſie außer 6:„D!— daß Dir auch ſo wohl waͤre!““— Bald, gute Marie— recht bald—“ent⸗
nete voll inniger Rührung der Heberaſchte. K


