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Das Document : eine Familiengeschichte / von R. E. Han
Entstehung
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er nicht ihr, deren Innerſtes offen vor ihm lag, ſeine Geheimniſſe mit, warum verurtheilte er ſie zu den Pei⸗ nigungen, welche jede Ungewißheit ſelbſt über das ruhigſte Gemüth bringt?

Da ſiel ihr Blick auf einen Spruch Rückert's, den Alfred einſt mit zierlicher Schrift aufgezeichnet und un⸗ ter Glas und Rahmen über ſeinem Arbeitstiſch aufge⸗ hängt hatte. Sie las:

Wenn es Dir übel geht, nimm es für gut nur immer,

Denn wenn Du's übel nimmſt, ſo wird es nur noch ſchlimmer. Und thut ein Freund Dir weh, verzeih's ihm und verſteh',

Es iſt ihm ſelbſt nicht wohl, ſonſt thät' er Dir nicht weh. Doch wenn Dich Liebe kränkt, ſei Dir's zur Lieb' ein Sporn, Daß Du die Roſe haſt, bemerkſt Du auch am Dorn!

Verzeihung, Alfred ſagte Hermina leiſe, zu dem Bilde ihres Gatten aufblickend; ihre Zweifel, ihr Miß⸗ rauen waren verſchwunden.

Das beſte Heilmittel gegen Seelenleiden iſt Ar⸗ beit, hatte Alfred einſt geſagt; ſie beſchloß, es anzu⸗ wenden. Ruhig wie immer ſuchte ſie ihren Franz auf, leiſtete ihm alle die ſüßen mütterlichen Dienſte, legte ihn nach dem Bade in ſein Bettchen und machte ſich dann in dem ziemlich großen Garten zu ſchaffen, der ſich hin⸗ ter dem Häuschen bis zu dem Weinberge des Nachbars hinzog.