Teil eines Werkes 
2 (1827)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

v

217

kraͤhten die Hähne am Ufer. Sie ſchrak auf und ſagte: ich muß nun fort; wo Du mich gefunden, findeſt Du mich wieder um Abendzeit, verſaͤum' es nicht! Sie zog ein ſcharfes Muſchelchen her⸗ vor, damit zerſchnitt ſie die Locken, womit ſie ihn an ſich gebunden hatte und behielt ſie. Die Knoten aber, welche ſie von ihrem blaßgoldnen Haar gemacht hatte, ſchnitt ſie auch los und gab

ſie ihm. So bin ich Dein, ſprach ſie, und ſo

biſt Du mein, und wer will uns von einander frei machen? Kommen wir wieder zuſammen, da flechten wir dies Netz noch dichter, und ich ziehe Dich fuͤr immer hinunter in mein Haus, oder Du nimmſt mich gefangen, und ich muß mit Dir! denn wo das eine iſt, da muß das andere auch ſeyn! Ach ich muß aber zuvor noch ſehn, ob Du mir treu biſt, denn bliebſt Du mir nicht treu,

ſo waͤre es Dein und mein Verderben!

Da warf ſie ein Steinchen hinab in die Flut, die truͤbte ſich alsbald und quoll auf und rauſchte, ein kleines Fahrzeug tauchte arbeitend empor. Spring' hinein, rief Loreley, das eine Bret iſt

zerſchellt im Unterſinken, das reiße los und rudre

damit an's Ufer; ſcheue Dich nicht! Fahr wohl,