Sie waren geſtern frei— bergeſſen Sie nicht, daß Sie es noch ſind, daß ich Sie nie hindern werde, es immer zu bleiben. Sie und ſanft!“
„Gute Nacht! meine liebe guͤtige Freundin,“ erwiederte Guſtav geruͤhrt, und ſchloß ſie faſt zartlich in ſeine Arme.„Vergleichen Sie ſich 3 nur immer mit Lea, wenn Sie doch ſo wollen, 3 3 ich diene gern ſicben Jahre um die freilich ſchö⸗ nere Schweſter— Ihre Seele.“
„Sieben Jahre?“ wiederholte Hedwiga be⸗ troffen, der die Lehre des Oheim's augenblicklich vor dem Sinne ſchwebte, während Guſtav ſich ſchnell entfernte. Sie wuͤrde es fuͤr Ziererei ge⸗ halten haben, ſich ſeiner hetzlichen Umarmung zu entziehen. Die Beruͤhrung ſeiner Lippen hatte eine milde Wärme in ihr Herz gegoſſen. Sie war mit ſich ſelbſt zufrieden. Die unabſichtlichen Worte ihres Gemahls, die ſie freudig und beru⸗ higt auf die Verwandlung deutete, die ſeit dem
Tage, da ſie ihn zum erſten Male geſehen, mit ihrem Innern, ja zum Theil auch mit ihrem Aeußern vorgegangen war und noch täglich vor⸗ 16


