Druckschrift 
Petersburg am Tage und bei Nacht. 5.-8.Bändchen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

k 222

Freundſchaft mit ſeinem Schulkameraden Finski näherte ihn auch Newski und brachte ihn zur Bekanntſchaft mit den Umanskiſchen. Miller zeichnete zerſtreut mit dem Finger auf den Tiſch, mit dem gewöhnlichen Gedanken, 3 ſein ganzes Weſen in Anſpruch nahm, beſchäf⸗ tigt

In einem ſolchen Zuſtande befand ſich die Geſell⸗ ſchaft, als der eintretende Bediente Umanski etwas ganz leiſe meldete: dieſer betrachtete ihn mit Erſtaunen, als traue er ſeinen eigenen Ohren nicht; der Bediente flüſterte ihm wieder etwas zu, und Umanski ging hinaus.

Alle waren gar zu ſehr von ihren eigenen Gedanken und Gefühlen eingenommen, um die Neueingetretenen zu bemerken, als plotzlich der Ausruf vernommen wurde:

„Fritz, Fritz!“ und Jenny ſich von Umanskis Hand . und mit einem Schrei Miller um den Hals

el.—

„Fritz, mein theuer Fritz!.. Biſt Du es? Blicke mich nur an, gleiche ich Deiner Jenny!... 4

„Jenny, mein Schatz, mein Schutzengel!.

Er küßte ſie mit Entzücken und ihre Thränen ver⸗ miſchten ſich, ihre Worte wurden abgebrochen und ſpra⸗ chen die geheimſten Gedanken nicht aus.

„Schau, ſchau, Fritz, in welch einem Palaſte finde ich Dich! welche hübſche Kleider Du an haſt! Biſt Du nicht ein großer Herr geworden? Ich erinnere mich noch, wie Du immer für die Vornehmen ſprachſt.“

„Nein, Jennh, ich bin noch immer derſelbe arme Teufel, ich hatte Dich nicht ein Mal, mich zu tröſten.“

„Und erinnerſt Du Dich des Dachſtübchens, wo Du wohnteſt?“

„Wo Du mich beſuchteſt, mein Engel und mich vor dem Verzweifeln retteteſt.“

„Ach, Fritz ich will es nie vergeſſen, wie Du Deinen einzigen Rock verpfändet, um die Mutter während ihrer Krankheit vor dem Hungertode zu retten.“