Druckschrift 
Petersburg am Tage und bei Nacht. 5.-8.Bändchen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Gedulden Sie ſich nur, es wird noch recht hübſch, der Herbſt iſt bei uns gewohnlich ungemein ſchön, nur etwas friſch. Doch die Ausländer harren vergebens des ſchoͤnen Herbſtes: in dieſem Falle ſchmieren die Ruſſen ſie an, wie die Ausländer ihrerſeits die Ruſſen in vielen andern Fällen anſchmieren. An einen ſchönen Herbſt iſt in Petersburg nie zu denken.

Es ſchlug irgend eine Thurmuhr drei Viertel. Mil⸗ ler hatte noch eine Viertelſtunde zu warten. Wo indeſſen ein Obvach finden? In die Kneipe einzutreten konnte ſich Miller nicht entſchließen, da er ohne einen Heller war; auch fürchtete er die feſtgeſetzte Zuſammenkunft zu verfehlen und wollte lieber die ganze Nacht im Unwetter zubringen, als mit leeren Händen nach Hauſe zurückkehren, wo nicht einmal eine harte Brovrinde zur Stillung ſeines Hungers vorhanden war. Er lehnte ſich an eine Wand, wand ſich wie ein Igel, um wo möglich Wind und Re⸗ gen einen kleinern Theil ſeines Körpers Preis zu geben, und blickte mit einem unbeſchreiblich wehmüthigen Gefühle auf die ſchäumenden Wogen der Newa, als erwarte er von ihnen ſeine Rettung oder als ſuche er in ihnen die ihn ſchon gänzlich verlaſſene Hoffnung. Auf der Newa tauchte ein Flämmchen auf und verſchwand, dann kam zur ſelben Zeit ein Flämmchen zwiſchen den obern Fugen der gegenüber der Kneipe ſtehenden Heubarke zum Vor⸗ ſcheine und verſchwand gleichfalls. Bald darauf plätſcher⸗ ten die von Rudern durchſchnittenen Wogen und Miller bemerkte ein großes, hochbeladenes Boot. Das Boot ſchwamm der Barke zu, es kam jemand hervor, der mit den Ruderern ſich beſprach und dann unter dem Heu auf den Grund der Barke hinabſtieg. Die Ruderer banden das Boot an und begaben ſich in die Kneipe.

Was war's denn, das wir führten, Antizka, Waa⸗ ren oder irgend einen Schatz?

Es muß ein Schatz ſein: das war ſchwer!